Da blamierte sich Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg zuletzt gleich dreimal gegen vermeintliche Abstiegskandidaten und sorgte nun ausgerechnet im Derby gegen den HFC mit dem 2:0 am Mittwochabend für einen Paukenschlag. Verkehrte Welt an der Elbe.

Leipzig/Magdeburg. Sein letztes ordentliches Spiel hatte der Club am 12. September ebenfalls in der Red Bull Arena abgeliefert, da allerdings gegen RB Leipzig noch 1:2 verloren (und anschließend eine bedenkliche Talfahrt hingelegt). Diesmal stimmte an gleicher Wirkungsstätte auch das Ergebnis.

"Das war Balsam für die Seele, einfach schön. Wir hatten uns akribisch auf dieses Spiel vorbereitet, wussten, dass wir viel Kredit zurückgewinnen können, wenn wir hier bestehen", strahlte Vize-Kapitän Stephan Neumann, der sich zur Pause wegen Adduktorenbeschwerden hatte auswechseln lassen. Der 29-Jährige ergänzte: "Die Stimmung war selten so ausgelassen wie nach diesem Sieg. Aber unterm Strich sind es auch nur drei Punkte. Es gibt also keinen Grund zur Euphorie. Wir halten den Ball weiter flach, zumal wir alle wissen, dass wir auch eine Menge Dusel gehabt haben."

In der Tat hätte es auch anders laufen können. Schon im ersten Abschnitt besaß der HFC zwei gute Einschussmöglichkeiten, gleich nach der Pause weitere dicke Chancen, und selbst nach dem 0:2 war noch alles möglich, verhinderten Glück, Geschick und ein unüberwindbarer Torhüter Matthias Tischer eine mögliche Aufholjagd.

Auf die Siegerstraße hatte Christof Köhne den FCM mit einem Gewaltschuss unter die Latte gebracht. "Ein solches Tor habe ich noch nie geschossen und war mir im ersten Moment auch nicht sicher, ob er wirklich hinter der Linie war", sagte der Youngster und betonte: "Mit Kampf geht alles. Wir wussten, was in uns steckt und haben das endlich auch einmal abgerufen."

Spielerisch gibt es, wie das Derby zeigte, dagegen noch reichlich Luft nach oben. Und es fehlt weiterhin an der nötigen Durchschlagskraft im Angriff. "Aber", so Trainer Ruud Kaiser, "es war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir haben sehr kompakt gestanden. Ich hoffe, dass sich jetzt auch die Nervosität bei den Jungs ein wenig legt." Und: "Mit dem nötigen Kampfgeist kann man mitunter das Glück auch erzwingen. Halle hat speziell nach dem 0:1 enorm Druck aufgebaut. Da hätten wir unsere Konter besser ausspielen müssen."

HFC-Coach Sven Köhler attestierte seiner Elf "vieles richtig gemacht, außer ein Tor erzielt zu haben" und konstatierte, dass es am Ende immer auch eine Frage der Qualität sei, wenn der Ball trotz zahlreicher Gelegenheiten nicht den Weg ins gegnerische Tor findet.

Der Hallenser Trainer hatte seine Besonnenheit zuvor schon auf dem Platz unter Beweis gestellt. Als nämlich nach dem Abpfiff FCM-Innenverteidiger Sebastian Sumelka im Übermut des Sieges eine HFC-Fahne entwendet hatte und auf dem Weg zu den eigenen Fans war, stoppte ihn Köhler kurzerhand und nahm ihm die "Trophäe" ab, wollte den Zwischenfall anschließend aber keineswegs überbewerten. Sumelka entschuldigte sich wenig später kleinlaut beim HFC.

Bis auf diesen Lapsus war es jedoch ein rundum gelungener Abend. Das galt nicht zuletzt für den in der Kritik stehenden Manager Rüdiger Bartsch, der den dritten Auswärtssieg dieser Saison so zusammenfasste: "Wir haben das gezeigt, was wir können, hatten dabei keinen Ausfall, in einigen Szenen das nötige Quäntchen Glück und natürlich einen hervorragenden Matthias Tischer im Tor. Es war nach langer Zeit das erste wichtige Erfolgserlebnis."

Nun will der FCM am Sonntag (13.30 Uhr, MDCC-Arena) gegen Hannover 96 II nachlegen und unter Beweis stellen, dass der unerwartete Derbysieg keine Eintagsfliege war.