Magdeburg l Mit Axel Tyll feiert am heutigen Dienstag ein weiteres Mitglied der EC-Siegermannschaft des 1. FC Magdeburg seinen 60. Geburtstag. Der gebürtige Magdeburger, der seit über 30 Jahren in Wernigerode wohnt, gab 1974 im Europapokalfinale gegen Milan die Flanke zum 2:0 durch Wolfgang "Paule" Seguin. Doch nicht nur diese Episode des einstigen Dauerläufers im FCM-Mittelfeld verbindet ihn mit dem Club-Idol Seguin.

"Bei der Flutlichtpremiere im Januar 1972 gegen Dresden rettete ,Paule\' mich und den 2:1-Sieg nach meinem vorherigen Selbsttor", so der Jubilar, der als sein schönstes Erlebnis jedoch die erste von drei DDR-Meisterschaften des FCM 1972 bezeichnet: "Da gelang mir beim entscheidenden 1:0 im Heimspiel gegen Vorwärts Frankfurt das Tor des Tages, und das als 18-Jähriger."

Weniger gern erinnert sich der Jubilar an seine Ausbootung aus der DDR-Auswahl für die WM 1974. Und auch dabei war Seguin im Spiel. "Bis vier Wochen vor der WM-Endrunde gehörte ich zum 22er Kader, saß im letzten Test-Länderspiel gegen England auf der Bank. Dann auf einmal entschied sich Trainer Georg Buschner für eine Nachnominierung von Wolfgang Seguin, testete ihn vor meinen Augen in Kienbaum. Danach wurden wir beide noch eingekleidet. Beim Endrundenturnier dabei war dann aber nur ,Paule\'. Buschner meinte nach dem Turnier zu mir, vielleicht hätte ich doch lieber Sie mitnehmen sollen ...", so Axel Tyll mit fast 40 Jahren Abstand.

Zwischen 1971 und 1982 absolvierte Tyll 233 Oberligaspiele (32 Tore) und 40 EC-Spiele (3) für den FCM, doch sein Abschied vom Club verlief nicht ohne Nebengeräusche. Neu-Trainer Claus Kreul war im Sommer 1982 nach Tylls Meniskus-OP nicht von der Fitness des Schwarzschopfs überzeugt, daraufhin nahm der Magdeburger Kontakt zu Wismut Aue auf. "Deren Trainer Hans-Ulrich Thomale sagte mir, ich könne noch bequem ein oder zwei Jahre bei ihm Oberliga spielen. Doch wie in solchen Fällen üblich, sagte die Clubleitung, man könne nur im Bezirk wechseln."

FCM-Vorsitzender damals war übrigens Manfred Zapf, Tylls langjähriger Mannschaftskamerad und Teamkapitän. "Manfred konnte ja gar nicht anders, das war eben so in der damaligen Oberliga", erklärt der Betroffene. Axel Tyll blieb stur, wechselte zum DDR-Ligisten Einheit Wernigerode und Trainer Hans-Bert Matoul, schrieb aber nebenbei eine Eingabe an DTSB-Chef Manfred Ewald.

In der bunten Stadt am Harz fand Axel Tyll mit seiner Frau Karin eine neue Heimat, arbeitete zunächst an der Diesterweg-Schule, später in Hasserode als Sportlehrer, ist seit zehn Jahren an der Sekundarschule Dardesheim tätig. Als Trainer betreute er 1991 Rot-Weiß Wernigerode, das sich als erster Pokalsieger Sachsen-Anhalts beim 0:4 im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln vor der Rekordkulisse von über 11 000 Zuschauern achtbar schlug.

Für seinen ehemaligen Magdeburger Club kann Tyll nicht zuletzt aufgrund zweier künstlicher Hüften schon lange nicht mehr spielen, doch schlägt sein Herz immer noch blau-weiß: "Ich habe das Spiel gegen Dortmund kürzlich im Fernsehen verfolgt, mich über die ausverkaufte MDCC-Arena gefreut. An den Fans liegt es sicherlich nicht, dass der FCM noch nicht drittklassig ist."

Seinen heutigen Ehrentag verbringt Axel Tyll ruhig im engsten Kreise mit Gattin Karin (58) sowie den Kindern Steven (39) und Annika (35) im heimischen Garten. Am Sonnabend lässt er es mit der großen Nachfeier bei Gastronom Eckhard Meyer in Magdeburg mit ehemaligen Mannschaftskameraden, der ganzen Familie, darunter Bruder Detlef (63) und Schwester Carola (57) sowie die Enkel Anouk (5), Arik (2) und "Nesthäkchen" Franz (8 Monate), aber mächtig krachen.