Von Uwe Tiedemann

Magdeburg. Normalerweise wäre Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg wohl mit breiter Brust zum heutigen Auswärtsspiel beim TSV Havelse (Anstoß bereits um 15 Uhr) nach Hannover-Garbsen gefahren. Doch so ohne weiteres dürften die Elbestädter die 1:6-Klatsche vom vergangenen Sonntag gegen den Chemnitzer FC kaum wegstecken können.

"Wir müssen versuchen, das Spiel so schnell wie möglich zu vergessen und aus den Köpfen herauszubekommen", hatte Trainer Ruud Kaiser schon unmittelbar nach der höchsten Heimniederlage der Club-Geschichte gesagt. Und er betonte, dass man durch ein 1:6 "eben auch nur drei Punkte verloren hat". Als erfahrener Coach aber weiß er natürlich: Nicht jeder Spieler verarbeitet solch eine Pleite so leicht.

Das dürfte noch am ehesten funktionieren, wenn ein Trainer seinen Schützlingen vor allem die positiven Dinge vor Augen hält. Und die gab es am Sonntag durchaus. Nach dem Anschlusstreffer hatte der FCM nämlich stark gespielt, den Gegner früh attackiert, zu Fehlern gezwungen und Riesenpech, dass gleich zwei Treffer zum vermeintlichen Ausgleich annulliert wurden.

Andererseits zeigte der FCM nach dem vorentscheidenden 1:3 erschreckende Abwehrschwächen. Das kann selbst gegen einen Nobody wie den TSV Havelse tödlich sein.

Die Rot-Weißen schafften in der vergangenen Saison automatisch den Sprung in die vierthöchste Spielklasse, weil die eigentlich notwendige Aufstiegsrunde entfiel. Die Oberligameister von Hamburg und Bremen hatten verzichtet und Schleswig-Holsteins Titelträger Holstein Kiel II durfte wegen des Drittliga-Abstiegs der eigenen Ersten nicht hoch.

Das Team lebt von einer in ganz Niedersachsen geschätzten Jugendarbeit. So brachte man u.a. mit Sören Halfar einen Junioren-Nationalspieler hervor. Trainer seit 2004 ist Jürgen Stoffregen (53). Zu den bekanntesten aktuellen Kickern gehört der Ex-Magdeburger Michael Habryka.

Zurück zum FCM: Kaiser sprach nicht von ungefähr von einem "sehr wichtigen Monat November". Denn mit Havelse, Türkiyemspor (H/13.11.) und Eintracht Braunschweig II (A/20.11.) trifft der Club als Tabellen-14. auf drei noch schlechter platzierte Abstiegskandidaten. Was das bedeutet, ist klar: Mit entsprechenden Erfolgserlebnissen hätten die Blau-Weißen den Anschluss ans Mittelfeld hergestellt und damit auch wieder für mehr Ruhe im Umfeld gesorgt. Geht‘s allerdings schief, dürfte beim FCM so richtig der Baum brennen ...