Frankfurt/Main (dpa). Nach der fragwürdigen Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar sieht sich der unter Druck geratene Weltverband FIFA mit neuen Bestechungsvorwürfen konfrontiert. Doch der in die Schlagzeilen geratene Vizepräsident Julio Grondona hüllt sich in Schweigen. "Ich sage nichts dazu", erklärte der Argentinier. "Ich bin fast 80 Jahre alt. Ich will mich deshalb nicht mehr mit so etwas befassen."

Die amerikanische Zeitung "The Wall Street Journal" hatte berichtet, dass ein ehemaliger Angestellter des Bewerbungskomitees von Katar empfohlen habe, dem ArgentinischenVerband AFA 78,4 Millionen Dollar (59 Millionen Euro) zu bezahlen. Grondona ist seit 1979 AFA-Präsident und sitzt im Exekutivkomitee des Weltverbandes, das die WM 2022 am vergangenen Donnerstag an Katar vergeben hatte. Er ist zudem seit vielen Jahren Chef der FIFA-Finanzkommission.

Die Tranche der Scheichs vom Persischen Golf sei als Unterstützung für den klammen argentinischen Verband deklariert gewesen, berichtete das "Wall Street Journal". Angeblich sei die nationale Liga von einer Finanzkrise bedroht gewesen. Dies wies Grondona zurück. "Warum sollte unser Verband eine Verschuldung in dieser Höhe aufweisen", sagte er der argentinischen Agentur Telam. Die Zahlung dementierte er indes nicht.

Grondona erklärte, er habe nach der WM-Vergabe am frühen Freitagmorgen zwei Anrufe erhalten. Der zweite Anrufer habe ihn auf spanisch um eine Reaktion zu den am nächsten Tag erscheinenden Vorwürfen des "Wall Street Journal" gebeten. Er habe aber nicht antworten wollen.

Eine Verlegung der WM 2022 in den Winter kommt für die FIFA indes nicht infrage. Generalsekretär Jérome Valcke betonte, das Turnier in Katar solle trotz der großen Sommerhitze im Juni (über 40 Grad) stattfinden. Zuletzt hatte FIFA-Exekutivmitglied Franz Beckenbauer eine Verlegung angeregt, weil die Temperaturen dann nur bei 25 Grad liegen.