Sein Stern leuchtet unter Abu Dhabis Nachthimmel. Schnell, schneller, Vettel. Der Heppenheimer hat sich in einem dramatischen Formel-1-Finish zum jüngsten Champion der Historie gekrönt.

Abu Dhabi (dpa). Der Liebes-erklärung ans Team mit tränenerstickter Stimme folgte der entfesselte Jubelschrei: Sebastian Vettel hat im nervenzerreißenden Herzschlag-Finale die Sensation geschafft und sich zum jüngsten Titelträger der Formel-1-Geschichte gekrönt. Mit seinem souveränen Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi holte der Heppenheimer gestern die 15 Punkte Rückstand auf den flatternden Fernando Alonso auf, dessen Ferrari-Team mit einer Strategie-Fehlzündung den Titel verpatzte. "Unglaublich. Danke Jungs. Ich liebe euch", verneigte sich Vettel vor seinem Team mit stockender Stimme.

"Du bist der Weltmeister. Genieße es, du bist der Mann", jubelte Teamchef Christian Horner, ehe nur noch ein lautes "Jaaaaaaaaaaaaaa" von Vettel durch den Funk hallte. "Was soll man da sagen: Es ist wunderschön", meinte Rennstallbesitzer Dietrich Mateschitz: "Es ist ganz einfach wirklich gewaltig gewesen." Während Vettel auf dem Podium zu den Klängen von "Auf in den Kampf Torero" aus der Oper Carmen feierte und einen tiefen Schluck aus der Schampus-Pulle nahm, begann in der Box die Tage dauernde Triumph-Party.

Nach dem 19. und letzten Saisonrennen übernahm Überflieger Vettel im Red Bull mit einer schier unglaublichen Punktlandung zum ersten Mal die Führung. "Er hat ein fantastisches Jahr hinter sich", lobte Kumpel Schumacher Vettel.

Alonso, dem Rang vier zum dritten Triumph gereicht hätte, kam nicht über Platz sieben hinaus. Zusammengekauert nuckelte der Spanier nach der persönlichen Pleite an seiner Wasserflasche.

Schon der Start wurde zum Thriller. Vettel kam eher mäßig in die Gänge, Hamilton versuchte gleich in der ersten Kurve innen vorbeizukommen. Während Alonso die gleichzeitige Attacke von Jenson Button aber nicht abwehren konnte und nach nur wenigen Metern auf Rang vier zurückfiel, verteidigte Vettel energisch seine zehnte Pole in dieser Saison. Webber blieb auf Platz fünf.

Das Aufatmen kam zu früh. Noch in der ersten Runde sorgte Rekordweltmeister Schumacher für eine Safety-Car-Phase. Der Kerpener drehte sich bei einem Überholversuch gegen den am Ende hinter Ex-Champion Jenson Button viertplatzierten Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg, blieb in "Geisterfahrer-Manier" entgegen der Fahrtrichtung stehen und hatte Glück, als Vitantonio Liuzzi im Force India schuldlos in den Silberpfeil krachte.

Das Nervenspiel auf der Piste entwickelte sich zum Reifenpoker. Und Alonso gehörte erstmal zu den Verlieren. "Ich weiß, dass du dein Bestes gibst, aber es ist kritisch", funkte sein Renningenieur. Alonso, Weltmeister von 2005 und 2006, kam einfach nicht am russischen Renault-Piloten Witali Petrow vorbei.

Immer wieder feuerte die Red-Bull-Box ihren "Jung-Siegfried" (Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz) an. Das Rennen entwickelte sich mit dem Einbruch der Dunkelheit noch packender als eh schon erwartet. Vettel lag zur Halbzeit im Fernduell mit Alonso weiter vorn, der im Duell mit Petrow immer wieder Probleme hatte und von der Ideallinie abkam.

Bei Ferrari wuchs die Verzweiflung nach dem taktischen Faux-pas und dem russischen Rennhindernis. "Nutze dein Talent, wir wissen doch wie groß es ist", flehten die Italiener. Umsonst: Während die Mechaniker Stoßgebete gen nächtlichem Himmel schickten, machte Vettel nach 55 Runden das Märchen wahr und läutete womöglich eine neue Ära in der Königsklasse ein. Meinung