Magdeburg. Jeramie Woods ist sich nicht zu schade, ganz unten anzufangen, um ganz oben anzukommen. Amerikaner mögen diesen Weg, der den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär immer wieder nachempfindet. Sprachen also bislang alle Otto Baskets lediglich vom Klassenerhalt in der 2. Bundesliga Pro A, träumte der 22-jährige Woods am Montagmittag vor dem Training in Magdeburg bei sieben Grad Celsius und Sonnenschein von höheren Ambitionen: "Hoffentlich kommen wir in die Playoffs." Nach dem zweiten Saisonsieg in Cuxhaven ist der Gedanke schon mal erlaubt.

Zunächst einmal ist es den Baskets zuzutrauen, den nächsten Schritt in der Tabelle zu gehen. Die Abstiegsplätze haben sie bereits verlassen. Was in der Saisonstatistik des Aufsteigers noch fehlt, ist ein Heimsieg, weiß auch Woods: "Der muss mal kommen, und ich glaube daran am Freitag." Es ist dann gegen die Gießen 46ers der fünfte Auftritt in der Gieseler-Halle (tip-off: 19 Uhr). Viermal haben die Baskets bislang verloren. Aber glaubt man Woods, dem jüngsten "Otto", dann "haben wir uns in den letzten Wochen zusammengefunden, wir spielen jetzt als Mannschaft, wir trainieren jetzt als Mannschaft. Und hoffentlich können wir auch einfach weiter gewinnen."

Gewonnen haben die Baskets schon in Nürnberg (89:75). Gewonnen haben nun auch in Cuxhaven (90:80). Sie haben selbst einen der Aufstiegsfavoriten, den BV Chemnitz (78:85), fast zu Fall gebracht. Für Woods ein Indiz dafür, dass die Baskets jeden schlagen können - was wiederum für die gesamte Pro A gilt und sie deshalb so besonders macht.

Eine besondere ist auch die Geschichte des Jeramie Woods, der in Berlin geboren wurde, der mit sechs Jahren zum Basketball kam, der 2003 mit der Familie, der Vater Amerikaner, die Mutter Deutsche, in die USA (in die Nähe von Milwaukee) zog, der acht Jahre später auf seinem ersten Heimatbesuch beim Spielen im Rudower Park von einem Scout von Bundesligist Alba Berlin entdeckt wurde. Er gab das College und den Kellner-Job in den USA auf, er trainierte zwei Monate zur Probe bei Alba, dann lernte er über Michael Canty vom BBC, mit dem Woods in Berlin einst die Schulbank drückte, Magdeburgs damaligen Coach Michael Opitz kennen. Und er entschied sich für den Wechsel an die Elbe: "Es war das Gefühl, dass ich mit Michael und seinem Vater hier eine Familie habe."

Nach zwei Saisons in der Regionalliga steht Woods nun in der Starting Five des Zweitligisten. Damit ist er kein Tellerwäscher mehr, aber auch noch kein Millionär. Deshalb sagt Woods: "Mal sehen, was noch kommt." Die jüngsten Einsätze haben ihm Selbstvertrauen gegeben. "Zum Anfang war ich noch nervös", berichtet Woods. "Aber jetzt habe ich das Vertrauen des Trainers gewonnen."

Coach Dimitris Polychroniadis, ein Verfechter der Klassenerhalt-Vorgabe, lächelt weise, wenn er vom Playoff-Ziel seines 1,95 Meter großen Small Forward erfährt. Und er zuckt dabei freundlich mit den Schultern, als wollte er sagen: "Träume kann man nicht verbieten."