Magdeburg/Nürnberg l Zum Höhepunkt auf dem nationalen Leichtathletik-Kalender werden von Freitag bis Sonntag fast alle deutschen Topathleten in Nürnberg erwartet. Und viele Fragen brennen nach einem Saisonverlauf mit Höhen und Tiefen auf den Nägeln: Gibt es zwei einsame "Titel-Rennen" der Kugelstoß-Europameister David Storl (Leipzig) und Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge)? Holt sich Weltmeisterin Christina Obergföll (LG Offenburg) nach ihrer Babypause den Speerwurf-Titel zurück? Sind die Sprinter wie vor einem Jahr in Ulm wieder in Rekordlaune? Und vor allem: Wer löst auf den letzten Drücker noch das WM-Ticket?

Ausrufe- statt Fragezeichen wollen vor allem die drei SCM-Asse setzen, die die Weltmeisterschaften in China fest im Visier haben: Diskuswerfer Martin Wierig sowie die 400-Meter-Sprinter Eric Krüger und Thomas Schneider (Staffel). Während Letztere trotz gelaufener WM-Norm mit der Staffel bei der Team-EM noch darum bangen, vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) überhaupt für Peking nominiert zu werden, ist Wierig seit drei Wochen diese Sorge los. Nachdem sich der 28-Jährige wochenlang vergeblich an der WM-Norm von 65 Metern die Zähne ausgebissen hatte, segelte die Diskusscheibe beim Solecup in Schönebeck endlich über die geforderte Weite hinweg. Mit 65,94 Metern rangiert Wierig in der deutschen Bestenliste nunmehr auf Rang zwei hinter Christoph Harting (Berlin/67,93).

Wierig hat einen Rucksack bereits abgeworfen

Doch in Nürnberg, wo der fünfmalige Meister in Folge und langjährige Diskus-Dominator Robert Harting nach seinem Kreuzbandriss fehlen wird, will der Magdeburger den Spieß umdrehen. "Es wird Zeit für meinen ersten Meistertitel bei den Männern", stellt Wierig klar, nachdem er in der Vergangenheit den Sieg oftmals knapp verpasst hatte.

Zwar stellt sich der WM-Vierte vom SCM auch in Nürnberg auf ein Duell mit dem jüngeren der Harting-Brüder ein. "Aber nachdem ich den Rucksack WM-Norm abwerfen konnte, ging zuletzt auch im Training auf einmal vieles leichter." Vor allem die zwei Wochen Trainingslager in Kienbaum hätten ihn einen großen Schritt nach vorn gebracht, so der Schützling von Trainer Armin Lemme. "Wenn jetzt etwas mehr Frische dazukommt, bin ich optimistisch, dass es gut läuft. Ich bin selbst gespannt, wie weit es unter Stadionbedingungen geht, denn Nürnberg ist etwa vergleichbar mit Peking."

Mit seinem Trainingspartner Wierig im Gleichschritt in Richtung Medaillen-Treppchen gehen - das ist der Traum von David Wrobel, nachdem der Wahl-Magdeburger im Vorjahr bei der DM in Ulm mit 62,72 Meter eine neue Bestleistung aufstellte und überraschend Rang vier belegte. "Das wäre natürlich ein Ding, wenn ich erneut bei den Meisterschaften einen raushaue", freut sich der 24-Jährige "einfach nur darauf, auf meine Chance zu lauern und die Etablierten wieder ein bisschen zu ärgern". Den bisherigen Saisonverlauf bezeichnet Wrobel, der bislang 62,66 Meter als beste Weite stehen hat (Rang vier), als "relativ normal". Es fehle nur der Ausreißer nach oben. "Aber unzufrieden bin ich trotzdem nicht, ich konnte mich im 62er-Bereich stabilisieren, das ist genau so viel wert, wenn nicht noch mehr, als eine neue Bestleistung".

Staffelplätze sind heiß begehrt

Nach einem teilweise holprigen Saisonverlauf sehen die von Marco Kleinsteuber trainierten SCM-Viertelmeiler "noch viel Luft nach oben". Von der zunächst mutig wie ehrgeizig anvisierten Einzel-WM-Norm von 45,35 Sekunden sind beide allerdings weit entfernt. Mit ihren bisherigen Saisonbest- zeiten sind Krüger (46,25) auf Platz drei und Schneider (46,28) auf Platz fünf in der Bestenliste zu finden. Letzterer geht dennoch optimistisch ins Rennen: "Es kann nur besser werden, nachdem das Ganze bislang eher durchwachsen war." Die Einzelnorm sei zwar im Hinterkopf, "aber absolute Priorität hat die Staffel. Da müssen und können wir alle eine Schippe drauflegen". Mit ansprechenden Zeiten unter 46 Sekunden ließen sich die Bedenken der Verantwortlichen im DLV wegwischen. "Und ich muss so weit wie möglich vorne einkommen, weil ich ja als derzeit Fünfter der Bestenliste der Wackelkandidat wäre."

Krüger, der mit seinem "Comeback-Jahr" nach langer Verletzungspause eigentlich ganz zufrieden war, geht die Titelkämpfe offensiver an: "Bislang hat noch keiner von uns 400-Meter-Läufern so richtig überzeugt, wir liegen alle dicht beieinander. Es wäre schön, wenn Thomas und ich den Sieg unter uns ausmachen könnten." Das Sahnehäubchen wollen sich die Magdeburger für den letzten Wettkampf der Meisterschaften aufheben: Das sind die 4x400-Meter-Staffeln, und da wollen Krüger und Schneider zusammen mit Oliver Vogel und Till Helbig den Sieg mit der Vereinsstaffel von 2013 wiederholen.

Nicht ganz so hoch pokert Julius Lawnik über 1500 Meter, denn die Saison des 20-Jährigen lief aufgrund von vier Anginen "leider noch nicht so toll". Somit verpasste der Siebte der U-20-WM des Vorjahres auch die Qualifikation für die U-23-EM. "Mein Ziel ist es, ins Finale zu kommen und da mal zu sehen, was geht", so Lawnik, der mit 3:43,01 Minuten bisher Zehnter der Bestenliste ist. "Eine gute Platzierung" hat sich derweil Frank Schauer (Tangermünder Elbdeichmarathon) über 5000 Meter vorgenommen. "Medaillenambitionen sind nicht vorhanden, aber die Top Acht wären super."

 

Bilder