Kasan/Magdeburg l Henning Lambertz darf am Ende der WM hoffentlich eine fantastische Eingebung nachgesagt werden. Denn wenn allein der Name des Hotels, das der Bundestrainer für seine 39 Freiwasser- und Beckenschwimmer und das Kurztrainingslager vor der WM in Kasan (24. Juli bis 9. August) ausgewählt hatte, nicht zu viel verspricht, wird das eine ganz glorreiche Geschichte da drüben in Russland.

Das Hotel heißt nämlich "Gloria", der Name steht für Ruhm und Ehre. Es ist zu finden im türkischen Belek, dort glänzt und schimmert es in allen Ecken. Es gab bislang keine einzige verschnupfte Aussage über diesen sonnigen Ort. Rob Muffels vom SC Magdeburg berichtete: "Die Bedingungen waren ein Traum, alles - Zimmer, Essen und Anlage - war einfach super." Auch seine Teamgefährtin Finnia Wunram war schwer beeindruckt: "Das kann man nicht mehr toppen."

Muffels, Wunram und der Magdeburger WM-Debütant Florian Wellbrock sowie alle anderen Freiwasser-Schwimmer sind vom Paradies bereits in den russischen Standard namens "Shalyapin Palace Hotel" nach Kasan gewechselt, während Johanna Friedrich und Franziska Hentke aus der SCM-Gruppe "Becken" noch bis Montag die Sonne über Belek genießen und dort trainieren dürfen. "Wir sind sogar mit Applaus empfangen worden", berichtete der 20-jährige Muffels über die Anreise am Dienstag nach Kasan.

Schon am morgigen Sonnabend bestreiten die drei Magdeburger den WM-Auftakt mit dem Rennen über die fünf Kilometer. In einem Flussarm der Wolga namens Kasanka. Die Tribüne steht, das Wasser misst 19 Grad Celsius, die Sonne müht sich derzeit, dauerhaft zu scheinen.

Ein Fluss durch die Stadt ist natürlich kein Hort der umweltgeschützten Naturschauspiele. Wunram teilte mit: "Das Wasser ist dreckig, man kann also nichts sehen." Die 19-Jährige sieht ganz gerne die Beine ihrer Vorschwimmerin. "Aber die Tribüne und die Location sind sehr schön", sagte Muffels. Und Wellbrock fasste zusammen: "Bis auf das Wasser macht hier alles einen guten Eindruck."

Das Wasser ist wirklich eine Brühe. Trainer Bernd Berkhahn lieferte gestern laufende Bilder vom Ort des Geschehens. "Hier gibt es viele Fische", meinte er. "Aber kaum Treibgut", ergänzte Wunram. Und in dieser Brühe treten die Magdeburger nun gegen "eine sehr starke Konkurrenz" an, verwies Berkhahn auf die Starterliste. 42 Damen stürzen sich morgen um 9 Uhr (MEZ) in die Fluten der Kasanka, drei Stunden später beginnt für 56 Männer das Titelrennen.

Ihr Hauptziel haben Wunram und Muffels bereits mit ihrem Start erreicht. Was jetzt kommt, ist die Kür. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Muffels bei der Europameisterschaft 2014 über diese Distanz Silber gewonnen hat - damals war es ein Zeitrennen, diesmal ist es ein Massenstart. Für den 17-jährigen Wellbrock ist allein die Teilnahme eine riesige Überraschung gewesen, wenngleich er die erforderliche Zeit bei der nationalen Qualifikation am Bodensee nachweisen konnte (Volksstimme berichtete). Aufregung herrscht aber auch bei ihm nicht. "Hier sind alle noch sehr cool", teilte Berkhahn zur Stimmung im Team mit. Womöglich ist es ja die Ruhe vor der "Gloria".