Kasan/Magdeburg l Isabelle Härle hat es nach Rio geschafft und der Deutsche Schwimmverband (DSV) damit ein Problem weniger. Die 27-Jährige erreichte am Dienstag bei der Weltmeisterschaft in Kasan (Russland) den siebten Platz und hat sich direkt für Olympia 2016 qualifiziert. Angela Maurer (Mainz) verpasste am Tag nach ihrem 40. Geburtstag als 23. ihre dritten Spiele, zugleich verlor der DSV seinen zweiten Quotenplatz für Rio bei den Frauen endgültig. Dazu hätte auch Maurer in die Top Ten schwimmen müssen.

"Ich muss mich bei allen bedanken, die mir in der letzten Zeit unter die Arme gegriffen haben", sagte Härle. Der sympathischen Essenerin fehlten 25,7 Sekunden zu Gold und dreieinhalb Sekunden zu Bronze. Es gewann Aurelie Muller (Frankreich) in 1:58:04,3 Stunden.

Stefan Lurz vermisst Leistungssport nicht

Während Härle aufatmen kann, wird es bei den Männern spannend. Nachdem Christian Reichert (16./Wiesbaden) und Andreas Waschburger (18./SG Saar Max Ritter) beide Quotenplätze für Rio über die zehn Kilometer verfehlt haben, wurde sogleich der Ruf nach Thomas Lurz laut. Und über einen Zuspruch kann sich der Rekordweltmeister, der am 1. Mai seine Karriere beendet hat, nicht beklagen.

Erst brachte Stefan Lurz, der Freiwasser-Bundestrainer, den Namen seines Bruders ins Gespräch. Dann motivierten ihn befreundete Athleten auf seiner "Facebook"-Seite zum Comeback. Lurz (35) hatte bei seinem Rücktritt allerdings erklärt: "Meine Motivation war immer der Sieg. Ich habe erkannt, dass ich meinen hohen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann."

Wird er sich trotzdem wieder schinden für den Traum vom olympischen Gold, das seine Karriere vollenden würde? "Zu 100 Prozent" könne er nichts sagen, sagte er. Bei "faz.net" gestand der heutige Markenbotschafter für ein Modelabel, er würde "aktuell nichts" vermissen vom Leben als Leistungssportler.

Muffels will über Olympia nachdenken

Der DSV wird in diesen Tagen in Kasan keine Prognose für ein mögliches Lurz-Comeback abgeben. Wohl erst nach der Saisonpause im September wird der Verband entscheiden, wie er die letzte Chance auf wenigstens einen Olympia-Startplatz für die Männer nutzen will. Die bietet sich im Juni 2016 beim "Olympic qualifier"-Rennen in Setubal (Portugal). Wie in Kasan schaffen es dann die ersten Zehn direkt nach Rio sowie nachfolgend der beste Starter des jeweiligen Kontinents.

Vielleicht bietet sich Rob Muffels vom SCM ja jene Chance auf Olympia. Muffels hatte in Kasan Silber über fünf Kilometer gewonnen. Über den Zehner hatte der 20-Jährige die WM-Qualifikation verpasst, weshalb er frühzeitig den Plan schmiedete, in der neuen Saison über die 1500 Meter Freistil im Becken ums Rio-Ticket zu kämpfen. Wird er sich nun parallel vorbereiten? "Ich denke nicht", sagte Muffels der Volksstimme, "trotzdem muss ich mir noch einmal Gedanken machen und mich mit meinem Trainer beraten."

Sein Trainer Bernd Berkhahn kann gar nichts zur Situation sagen, solange niemand weiß, mit wem der DSV die Qualifikation in Setubal angehen will. Und erst recht weiß niemand, ob Lurz zurückkehren wird. Michael Ilgner, Chef der Deutschen Sporthilfe, hatte gegenüber der "Main-Post" zum Rücktritt des Würzburgers im Mai erklärt: "Er hat im Schwimmen alles erreicht, und jetzt muss er den nächsten Schritt tun und sich im Berufsleben etablieren. Es ist der richtige Zeitpunkt."