Magdeburg l Es ist ruhig um ihn geworden. Viel zu ruhig. Der Magdeburger Tennis-Profi Martin Emmrich laboriert seit Monaten an einer komplizierten Schulterverletzung und denkt ernsthaft darüber nach, seine Karriere zu beenden.

Der linke Supraspinatus (ein Skelettmuskel, der nahezu horizontal oberhalb der Schulter verläuft) ist angerissen. „Ich war schon bei verschiedenen Ärzten in Deutschland, Holland und den USA, ohne dass es merklich besser geworden ist. Grundschläge kann ich machen, aber eben keine Schmetterbälle oder Aufschläge“, berichtet der 31-Jährige, der mittlerweile auf Platz 328 der Doppel-Weltrangliste zurückgefallen ist. Dabei war er mal die Nummer 35 und für den Daviscup nominiert.

Begonnen haben die Probleme im Juli letzten Jahres, als er zunächst beim Wimbledonturnier in der Doppel-Qualifikation scheiterte und eine Woche später in der Bundesliga für den Rochusclub Düsseldorf sowohl im Einzel als auch im Doppel antrat. „Das war überehrgeizig“, weiß Emmrich heute.

„Ich bin bei meinem Physio in Holland zwar in guten Händen, mental aber ziemlich down, weil ich quasi jeden Tag vier Stunden ins Leere trainiere“, sagt der Magdeburger und muss sich eingestehen: „Ich habe mich schon fast damit abgefunden, dass es vorbei ist. So macht es jedenfalls keinen Sinn.“ Wobei es ihm sichtlich schwerfällt, eine solche Vorstellung zu akzeptieren: „Gerade, wenn man bedenkt, dass ich mit sechs Jahren anfing, Tennis zu spielen, mit 17 Profi wurde und viel Zeit und Geld investiert habe. Und plötzlich soll mit 31 Schluss sein ...“

Umso wichtiger, dass er weiterhin privat glücklich und bekanntlich seit 2015 mit der holländischen Tennisspielerin Michaella Krajicek verheiratet ist. Und die talentierte 27-Jährige ist gerade dabei, sich in der Damen-Weltrangliste weiter nach vorne zu arbeiten (momentan Platz 183). Martin Emmrich steht ihr dabei als Trainer zur Seite. Dumm nur, dass sich kürzlich auch Michaella verletzt hat (Sehnenanriss am Ellenbogen) und einschränken muss.

Doch bei allem Frust, den Martin Emmrich schiebt und der auch noch seinen langjährigen Sponsor aus Hildesheim verlor (verstarb vor einem Monat an Krebs), sieht er durchaus Licht am Ende des Tunnels: „Zum einen hoffe ich, dass Michaella bald wieder fit ist. Zum anderen kann ich mir durchaus vorstellen, als Trainer zu arbeiten. Noch am ehesten in den USA, wo wir uns sehr wohlfühlen und in Bradenton/Florida ja auch ein Haus haben. Angebote gab es bereits.“