Erfurt/Jena (dapd) l In herzlicher Rivalität sind sie seit Jahrzehnten verbunden. Doch bald könnten sich die Wege der Thüringer Fußball-Drittligisten Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena trennen. Während Erfurt in die zweite Liga strebt, steht Jena vor dem Niedergang. Und das, obwohl beide bald ein neues Stadion geschenkt bekommen. Am Samstag (14.00 Uhr) treffen die Traditionsvereine in Jena aufeinander.

Für Rolf Rombach sind die Rollen klar verteilt. "Wir sind die Nummer eins im Freistaat. Das lassen wir uns nicht mehr nehmen", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Rot-Weiß Erfurt auf der jüngsten Mitgliederversammlung. Die Mannschaft untermauert das auf dem Rasen mit sportlichen Argumenten. Zwar verlor das Team zuletzt 2:3 zum Rückrundenauftakt gegen den SV Babelsberg, doch das war die erste Niederlage seit Anfang Oktober. Als Neunter der Tabelle hat die Elf von Trainer Stefan Emmerling nur drei Zähler Rückstand auf Relegationsplatz drei.

Trotz der Erfolge konstatierte der FC Rot-Weiß für die Saison 2010/2011 einen Fehlbetrag von 340000 Euro, der laut Rombach durch das Verpassen des DFB-Pokals sowie die Ausschüttung der zahlreichen Punkteprämien für den letztlich wertlosen fünften Platz entstanden sei. Die Überschuldung sei auf 1,5 Millionen Euro gestiegen.

Unruhig wird Rombach aber nicht. Vielmehr setzt er in die Sanierung des Steigerwaldstadions neue Hoffnung. Das soll zu einer Multifunktionsarena umgebaut und eine neue Einnahmequelle für den Club werden. Am 21. Dezember soll der Stadtrat die letzten Weichen für den 27 Millionen Euro teuren Umbau stellen. Rombach hofft auf einen Baubeginn im Sommer 2012. Im Oktober 2013 soll das 21600 Zuschauer fassende Stadion fertig sein. Und darin will Rot-Weiß dann den Aufstieg in die zweite Liga feiern - in nicht allzu ferner Zukunft. "Das muss unser Ziel sein in den nächsten zwei Jahren", sagt der Vorstandsvorsitzende. In dieser Saison soll die Mannschaft nicht unter Druck gesetzt werden. "Wir rücken erst einmal nicht von unserem Ziel ab, Achter zu werden."

Auch wenn beim 50 Kilometer entfernten Rivalen in Jena ebenso der Umbau des Stadions in eine Multifunktionsarena in Planung ist, bangt der Traditionsclub um seine sportliche Existenz. Als Schlusslicht mit bereits neun Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz braucht der einstige Europapokal-Finalist jeden Zähler.

Als die Mannschaft nach 15 Spielen mit nur zwei Siegen am Tabellenende dümpelte, löste Petrik Sander den erfolglosen Heiko Weber im Traineramt ab. Sander stellte ernüchtert fest, dass das Team in einem konditionell schlechten Zustand ist.