Erst zweimal in der 20-jährigen Zugehörigkeit zur 1. Gewichtheber-Bundesliga konnte der SSV 1884 Samswegen in drei Wettkämpfen keinen Sieg verbuchen - 2000, im Jahr des Abstiegs. Der Gang in Liga zwei droht jedoch diesmal nicht.

Samswegen l Es hat sich einiges verändert im deutschen Gewichtheben. Gingen noch vor weniger als einem Jahrzehnt die Titel bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften mit 1000 und mehr Punkten weg, ist die Tendenz deutlich fallend. Einige Beispiele: 1999 bezwang der TSV Stralsund die Samsweger noch mit 1021:948 - die Ostseestädter verzichteten zuletzt auf den möglichen Aufstieg in die Eliteliga, dümpeln als "graue Maus" in Liga zwei herum. Samswegen, nach drei Wettkämpfen der laufenden Erstligasaison noch ohne Sieg, erzielte mit 714 Zählern seine Saisonbestleistung.

Die Siegerleistungen bei den Finals um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft sinken seit dem wohl die nächsten Jahrhunderte überdauernden deutschen Rekord des AC Chemnitz (1122 Punkte) auf 910 Zähler des AC Chemnitz 2010 sowie 939 Punkte für den amtierenden Champion AC Speyer. Zum Vergleich: Der Landesrekord des SSV Samswegen aus dem Jahr 1998 beträgt 996,9 Punkte. Und bei seinen beiden deutschen Meistertiteln 2006 (958,2) und 2007 (977,2) "landete" das Sextett aus dem Bördekreis iimer noch jenseits der 950er-Marke.

Nur gut, dass es in der mit nur vier Teams bestückten Bundesliga-Nordgruppe in dieser Saison keinen Absteiger gibt. Ähnlich den Kickern der Fußball-Regionalliga Nord wollen die Verantwortlichen aus dem "Stärksten Dorf der Welt" die laufende Bundesligasaison zur Konsolidierung nutzen.

"Wir blicken nach vorn und hoffen auf bessere Zeiten", sagt denn deren sportlicher Leiter Wolfgang Weber. Immerhin: Wenn etwas stimmt, dann die Mischung zwischen einheimischen Hebern (Florian Altmann, Nico Krüger, Steve Wohl, Stefan Bruse und Judy Witzel), einem Mann der Weltklasse, dem Albaner Ervis Tabaku, und Routiniers (Markus Krümmer, Dirk Springer und Thomas Hoog). Zuletzt stabile Zuschauerzahlen belegen trotz derzeit ausbleibender Erfolge das anhaltende Interesse des Umlandes. "Ich bin mir sicher, wenn alle zurzeit verletzten Heber wieder gesund sind, werden wir in der Rückserie gegen den Berliner TSC und den AC Neuhardenberg gewinnen", meint Publikumsliebling Krümmer.

Auch Dirk Springer, der bei 1,68 m immerhin 103 Kilo Körpergewicht auf die Waage bringt, hat sich nach zweijähriger Abwesenheit (zwischendurch beim deutschen Meister AC Speyer) wieder bei den Samswegern eingelebt. "Die Atmosphäre hier in Samswegen ist immer noch einmalig", freut sich der 32 Jahre alte verheiratete Familienvater, der seit 21 Jahren aktiver Gewichtheber ist.

Nach einer verletzungsbedingten Pause gelangen dem im thüringischen Sömmerda lebenden Kaufmann für Wohnungswirtschaft wieder drei Saisonbestleistungen, auf die er aufbauen möchte, denn er sagt: "Zwar bin ich schon 32, und die Regeneration dauert da schon ein wenig länger. Aber wenn der SSV Samswegen mich braucht, kann ich mir vorstellen, meinen Vertrag um ein Jahr zu verlängern."