Intensiv, spannend, kampfbetont, ereignisreich, stimmungsvoll - viele Attribute, ein Spiel. Der 35:29-Erfolg des SC Magdeburg über den TBV Lemgo hatte alles, was das grün-rote Handballherz höher schlagen lässt. Doch die Euphorie muss schnell dem Alltag weichen: Schon morgen geht\'s zum HSV Hamburg.

Magdeburg l Nach dem Abpfiff am Sonntagabend tanzten die Magdeburger in den 4. Advent. Die Erleichterung darüber, dass man sämtlichen Widrigkeiten und Tiefschlägen mit vereinter Kraft getrotzt und die Lemgoer in der Schlussphase regelrecht in die Knie gezwungen hatte, war den im Kreis hüpfenden Spielern regelrecht anzusehen.

Interims-Kapitän Stian Tönnesen bestätigte, was jeder der 6374 Zuschauer in der GETEC-Arena gesehen und gespürt hat. "Das war heute ein richtiges Mannschaftsding. Wir sind noch enger zusammengerückt, wissen, keiner kann sich mehr verstecken. Und so hat jeder heute seinen Teil zum Sieg beigetragen - von links bis rechts, vom Tor bis auf die Bank."

Auch der Trainer zog angesichts der erneut gschlossenen Mannschaftleistung den Hut: "Ich bin stolz, wie die Mannschaft erneut mit den Rückschlägen umgeht. Wie sie einfach rausgeht und mit allem Herz das versucht umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben."

Was in Balingen nur ganz wenigen mitgereisten Fans vorbehalten war, konnte gegen Lemgo live und in Farbe bewundert werden: Die Spieler ließen sich, von welchem Tiefschlag auch immer, nicht herunterziehen. Im Gegenteil. Man baut sich gemeinsam daran auf, dass neben dem langfristigen Ausfall von van Olphen gegen Lemgo auch noch Natek ersetzt werden musste. Auch auf die Rote Karte für Landsberg (51. Minute) oder das verletzungsbedingte Aus von Pajovic in der Schlussphase hatten die Magdeburger die passende Antwort.

Gleiches gilt für die taktischen Winkelzüge von TBV-Coach Dirk Beuchler, der in seiner Not die Torhüter hin- und herwechselte und es mit offensiven Deckungsvarianten versuchte. Am Ende stellte der neue Coach des TBV resigniert fest: "Wenn man auswärts als Sieger vom Feld gehen will, dann darf man keine elf freien Bälle vergeben und eine so indiskulable Leistung der Torhüter anbieten, wie wir sie leider speziell auswärts schon öfter in dieser Saison geboten haben. Das war nichts, gar nichts."

Kritische Töne waren dagegen beim SCM keine zu hören. Selbstkritische schon. Während Trainer Carstens das Missgeschick von Kjell Landsberg im Nachhinein mit Humor kommentierte ("Er ist nach seiner ersten Zeitstrafe zwei Sekunden zu früh reingegangen. Dann hat er gleich noch ein Foul gemacht, damit das auch gleich auffällt."), stellte der Abwehrchef sich nach seiner Roten Karte aufgrund von drei Zeitstrafen binnen kürzester Zeit (es war übrigens die dritte in Folge) selbst an den Pranger: "Das geht ganz alleine auf meine Kappe. Ich bin einfach zu früh reingelaufen, weiß der Teufel warum. Ein klassischer Blackout. Und dann gleich noch einmal auffällig zu werden, das war natürlich taktisch unklug - um nicht zu sagen doof. Gerade in einer Phase, wo jeder Mann gebraucht wird, mache ich so einen Mist. Das hätte auch nach hinten losgehen können."

Dass der Trainer sichtlich sauer war, "ist verständlich, das wäre ich auch. Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn wir verloren hätten. Da wir aber gewonnen haben, redet zum Glück keiner mehr darüber. Für mich persönlich bedeutet der Rot-Hattrick: Jetzt reicht es aber, mein Freund ..."