Für die "schweren Jungs" vom Boxstall SES fällt in diesem Jahr Weihnachten und Silvester aus. Basta! Die Festtage werden zu Tagen der Arbeit und Trostlosigkeit, denn am 7. Januar müssen (und wollen) die Faustkämpfer aus Magdeburg im Ring eine gute Figur machen.

Magdeburg l "Oh du fröhliche, Oh du selige, Gnaden bringende Weihnachtszeit ..." Von wegen! Weder stehen den SES-Boxern fröhliche Feiertage ins Haus, noch wird der karge Festschmaus selig machen, denn Schmalhans ist bis weit ins neue Jahr hinweg Küchenmeister. Und Trainer Dirk Dzemski? Der kennt schon gar keine Gnade. Erst recht nicht, da die heiße Phase der Vorbereitung auf den Profi-Kampfabend am 7. Januar in Magdeburg bzw. am 14 Januar in Offenburg (Robert Stieglitz) begonnen hat.

Die Ansage des Ex-Weltmeisters im Mittelgewicht lässt kaum Widerspruch zu: "Wir sind hier nicht bei ,wünsch Dir was\' ... Da müssen die Jungs halt durch und Gewicht machen, wenn sie professionell sein wollen. Aber eigentlich kann ich nicht klagen. Alle wissen, was sie tun und lassen müssen. Sogar die Obernaschkatze Robert", so Dzemski, der bei der Wahl zum Boxtrainer des Jahres hinter den alten Hasen Uli Wegner und Fritz Sdunek Rang drei belegt hat - und das, obwohl er nicht einmal auf der Kandidatenliste gestanden hat.

Wem dennoch so viel Respekt, Anerkennung und Ehre für die geleistete Arbeit zuteil wird, der ist natürlich auch für seine Schützlingen eine Autorität und die oberste Instanz: "Was der Trainer sagt, ist für mich Gesetz. Und wenn er meint, Süßes und Alkohol sind absolut tabu, oder wir müssen am 24. Dezember trainieren und am zweiten Feiertag ist Sparring, dann ist das so", sagt der frischgebackene Europameister Robin Krasniqi. Schließlich will der Halbschwergewichtler als Hauptkämpfer des Box- events im Magdeburger Maritim-Hotel gegen den Franzosen Hakim Zoulikha erstmals seinen Titel erfolgreich verteidigen. "Diesem Ziel ordne ich alles unter. Da ist es dann auch egal, dass Weihnachten und vor allem die Silvesterparty in diesem Jahr quasi aus unserem Kalender gestrichen wurden und wir bei Wasser und Brot vor Langeweile sterben", so der aus München stammende Wahl-Magdeburger.

Der Verzicht auf Hochprozentiges ist für den Boxer allerdings überhaupt kein Problem, "denn ich trinke ohnehin keinen Alkohol. Da fällt es mir schon schwerer, an Schokolade oder Plätzchen vorbeizugehen", gesteht der Modellathlet, der wie die meisten Boxer vor einem Kampf Gewicht machen muss: "So um die sechs Kilo sind das immer. Aber da bin ich auch ziemlich diszipliniert, die letzten sechs Wochen trink ich ausschließlich Wasser und ernähre mich sportgerecht." Am meisten aber bedauert Krasniqi, dass seine Kumpels in München ohne ihn Silvester feiern müssen. "Denn diese Partys sind legendär. Kann man sich ja vorstellen, wie das aussieht, wenn Kerle um die Mitte 20 richtig einen draufmachen", so der im Kosovo geborene Boxer.

Aber zum Glück ist Krasniqi ("Ich träume schon davon, 50 Euro bei McDonalds für Burger und Cola auf den Kopp zu hauen") nicht allein. Er teilt sein Leid und eine Wohngemeinschaft mit den anderen "schweren Jungs" des Boxstalls - Denis Simcic und Francesco Pianeta. "Wir verstehen uns sehr gut, haben viel Spaß miteinander, so lässt sich das Ganze viel leichter ertragen", so Krasniqui, der aus dem WG-Nähkästchen plaudert: "Kochen kann keiner so richtig, wir gehen lieber zusammen essen. Streiten tun wir uns nur, wenn\'s ums Aufräumen oder den Abwasch geht." Dafür sei man sich einig, wenn es um die Frauen geht. "Fünf Wochen vor dem Kampf ist die WG eine frauenfreie Zone."

Ihr Engelein kommet ... von wegen.