Von Uwe Tiedemann

Magdeburg l Wolfgang "Paule" Seguin blutet das Herz. Der 66-Jährige, der seine glanzvolle Karriere beim 1. FC Magdeburg 1974 mit dem legendären Europapokalsieg krönte und sich seit August im neu gegründeten Beirat Sport engagiert, schüttelt angesichts der sportlichen Krise des Regionalligisten nur noch den Kopf: "Das tut schon verdammt weh. Aber nicht nur ich, alle Alt-Internationalen sind frustriert. Man muss sich das einmal vorstellen - kein einziger Heimsieg in der gesamten Hinrunde - so etwas hat\'s noch nie gegeben. Unfassbar!"

Doch Seguin ist niemand, der "seinen" FCM im Stich lässt. "Gerade in schwierigen Zeiten muss man Farbe bekennen", sagt der frühere FCM-Dauerbrenner (219 DDR-Oberligaspiele in Folge), der auch heute noch aktiv ist. So hat er jetzt dafür gesorgt, dass insgesamt sechs Marktkauf- und E-Center-Filialen (Magdeburg, Burg, Oschersleben, Haldensleben und Schönebeck) FCM-Fanartikel aufgekauft, die Produkte in ihren Häusern angeboten und das Geld (knapp 8000 Euro) dem Verein zur Verfügung gestellt haben. "Und man glaubt es kaum", staunt selbst der ausgebuffte Seguin, "zwei Filialen haben schon nachgeordert."

Das nach wie vor ungebrochene Interesse am Club ist ohnehin das größte Phänomen für den gebürtigen Burger, der seine "sk"-Glas- und Gebäudereinigungs-Firma mittlerweile seinen Söhnen übertragen hat. "Solche Fans hat kein anderer. Würden wir jetzt wie der HFC oben stehen, kämen zu jedem Heimspiel 10000 und mehr Zuschauer." Seguin lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch die Arbeit des Fanprojektes. "Das wird dort von denen, allen voran Jens Janeck, hervorragend inszeniert."

Doch die bittere Wahrheit sieht so aus: Das Regionalligateam krebst am Tabellenende herum, hat 17 Punkte in 17 Spielen geholt und läppische 13 Tore erzielt. Seguin tut sich mit einer Analyse schwer: "Man hat nicht das Gefühl, dass da eine Einheit auf dem Platz steht und jeder an sich glaubt." Gleichwohl stellt er dem neuen sportlichen Direktor Detlef Ullrich ein ordentliches Zeugnis aus: "Ein ehrlicher Typ, ein solider Arbeiter, der stets das Beste für den Club will. Was den neuen Trainer Ronny Thielemann anbetrifft, kann ich mir noch kein Urteil erlauben."

Dagegen hat Seguin eine feste Meinung, wie es endlich wieder aufwärts gehen kann: "Wir brauchen mindestens zwei neue erstklassige Spieler. Einen Regisseur und einen Stürmer mit Torgarantie. Aber bitte keine Schnellschüsse. Dann lieber jetzt in Ruhe suchen und zur neuen Serie verpflichten." Der 66-Jährige weiß, dass gute Leute nicht billig sind, und appelliert an die Vereinsführung: "Auf der Mitgliederversammlung wurde ja bekanntgegeben, dass die Verbindlichkeiten nur noch bei rund 150000 Euro liegen. Das ist sicher erfreulich, aber man darf nicht nur sparen, muss auch mal wieder investieren."

Nur ungern erinnert er sich an die Ära Heyne vor fünf Jahren: "Dirk, im Übrigen ein guter Trainer, wollte nur zwei Neue holen. Gekriegt hat er keinen, weil der Club am falschen Ende gespart hat. Später wurde das Geld dann mit vollen Händen ausgegeben. So etwas darf sich nicht wiederholen."

Mit den Mitgliedern des Beirates Sport hat sich Seguin seit August mehrfach getroffen und den Eindruck, dass das Gremium in Zukunft einiges bewirken kann. Vor allem will man auch im Scouting aktiv werden und darüber hinaus verhindern, dass nach wie vor zu viele junge Spieler dem FCM den Rücken kehren.

Den meisten Spaß, und das stimmt den ansonsten maßlos enttäuschten Vollblut-Fußballer Seguin dann wieder ein wenig versöhnlich, hat er momentan an seinem Sohn Paul, der in der B-Jugend-Bundesliga beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg spielt und von ihm auch gemanagt wird: "Schade, dass es jetzt bei Spitzenreiter Hertha BSC nur zu einem 1:1 gereicht hat. Aber ich ziehe den Hut davor, was der Bengel heute schon drauf hat."

Und er blickt voller Vorfreude auf das Seniorenturnier mit seinen FCM-Gefährten am 28. Januar in Chemnitz, wo die creme de la creme früherer Stars, u.a. aus Barcelona und Mailand, erwartet wird.