Einmal mehr klaffen beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Zum Abschluss der Hinrunde 2011/12 rangieren die Elbestädter, die zu Hause nicht ein einziges Spiel gewinnen konnten, nur auf dem 15. Platz.

Magdeburg l Mit einem verringerten Etat, der aber immer noch 2,49 Millionen Euro betrug, und einem neuen Sportdirektor Detlef Ullrich wollte der FCM ein Team aufbauen, das sich kontinuierlich weiterentwickelt und im Jahr darauf ganz oben mitspielt. Doch schon vorm Saisonauftakt gab\'s den ersten Dämpfer. Trikot-Hauptsponsor "Camp David" stieg aus. Eine eigenwillige Vertragskonstellation - ein Geschäftsmann aus der Altmark sollte die Kosten übernehmen, geriet aber in Zahlungsschwierigkeiten - sorgte für ein Loch von rund 250000 Euro.

Auch sportlich legte der Club einen klassischen Fehlstart hin, verlor am 6. August gegen Hertha BSC II, wenn auch unverdient, mit 0:2. Es folgte ein ordentliches 0:0 in Plauen. Eine Woche später war gegen Energie Cottbus II der erste Dreier zum Greifen nah. Doch ein Gegentreffer in der Nachspielzeit führte nur zu einem ernüchternden 1:1. Im vierten Anlauf klappte es dann endlich mit dem ersten Sieg - 2:0 beim FC St. Pauli II. Die Blau-Weißen verbesserten sich auf Rang 10 - dass dies die beste Plazierung der gesamten Hinrunde werden sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen.

Hauptursache war die letztlich blamable Heimausbeute. Neunmal liefen die Elbestädter in der MDCC-Arena auf, neunmal wurde es nichts mit einem Sieg. Letztlich gab es fünf Remis und vier Niederlagen. Der Negativrekord seit Club-Gründung 1965 war damit perfekt.

Von einer kontinuierlichen Entwicklung des Teams konnte keine Rede sein. Hoffnungsschimmern (wie etwa das 1:1 beim Liga-Krösus RB Leipzig oder daheim gegen Holstein Kiel) folgte zumeist gleich wieder ein Rückschlag. Immer wieder leisteten sich die Spieler zum Teil haarsträubende individuelle Fehler, die prompt bestraft wurden. So wie am 2. Oktober beim peinlichen 2:4 beim Berliner AK.

Und noch etwas wurde ganz deutlich: Der Club hatte es nicht geschafft, die schon in der Vorsaison bedenkliche Offensivschwäche zu beheben. Tore für den FCM waren in den zurückliegenden fünf Monaten eine Seltenheit - am Ende genau 13 in 17 Spielen.

So wurde der Druck für Trainer Wolfgang Sandhowe immer größer. Schließlich zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Am 25. Oktober musste "Papa" gehen - sein bisheriger Assistenztrainer Ronny Thielemann übernahm.

Der 38-Jährige schätzte die sportliche Situation zwar realistischer ein, spürbar aufwärts ging es aber auch unter ihm nicht. Zwei Niederlagen zum Abschluss der Hinrunde verhagelten die Bilanz dann so richtig. Der Club fand sich auf Rang 15 wieder, was normalerweise ein Abstiegsplatz wäre, wenn es keine Strukturreform für 2012/13 geben würde, die diesmal keinen Absteiger vorsieht.

Die Club-Führung gab während der Misere nicht immer ein glückliches Bild ab. Präsident Peter Fechner verteidigte immer wieder seine zu Saisonbeginn getroffene Aussage, die Mannschaft könne oben mitspielen, weil ihm die sportliche Leitung dies so mitgeteilt habe. Und der dafür Verantwortliche, Detlef Ullrich, beklagte fast schon gebetsmühlenartig die "fehlende Geilheit vorm gegnerischen Tor" und Verunsicherung im Team. Ebenso häufig betonte er, dass genügend Potenzial vorhanden sei. Nur abrufen konnte es die Mannschaft viel zu selten.

So hinterlässt der FCM im Winter 2011 viele Fragen. Liegt Ullrich bei seiner Einschätzung überhaupt richtig? Wurden zu viele Spieler mit Cottbuser Vergangenheit verpflichtet? Wie war es möglich, dass kein einziger Heimsieg heraussprang? Wird der Club in der Winterpause auf dem Transfermarkt tätig? Und was vor allem muss passieren, damit der Club endlich die Kurve kriegt und der berühmte Knoten platzt?

Zu allem Überfluss geriet der FCM durch den "Fall Bauer" bundesweit in Verruf. Der Ex-Kapitän war von Vermummten vor seiner Haustür bedroht worden und erhob hinterher schwere Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen. Lückenlos aufgeklärt wurde der Fall bislang nicht, weil es keine Zeugen gab. Wohl aber litt das Image des FCM, der zudem von seinem sportlichen Hauptziel 3. Liga zum Ende der Hinrunde 2011/12 meilenweit entfernt ist.