Magdeburg. Das interessiert Trainer Frank Carstens überhaupt nicht, es ist auch völlig egal, wer heute beim THW Kiel aufläuft. Ob sie Christian Sprenger oder Momir Ilic heißen, Christian Zeitz oder Filip Jicha. Bei "der besten Mannschaft der Welt" erwartet ja keiner etwas vom SC Magdeburg. "Das glaube ich gern", sagt Carstens. Sicherheitshalber sollten alle bereit sein für eine Überraschung, wenn dem SCM ein paar entscheidende Dinge nämlich gelingen. In der Handball-Bundesliga treffen beide Teams heute um 20.15 Uhr in der Kieler Sparkassen-Arena aufeinander.

In der vergangenen Saison hatte der THW jedenfalls einige Probleme mit dem heutigen Gast, vor allem beim 30:29-Sieg in heimischer Halle, weshalb Trainer Alfred Gislason erklärt: "Ich habe großen Respekt vor den Magdeburgern." Und er bestätigt: "Der SCM kann hier ohne Druck aufspielen." Gislason hatte den SCM zum Champions-League-Titel geführt, acht Jahre ist das her. Und noch immer "schaue ich mehr auf Magdeburg als auf andere Bundesligisten".

Carstens hat gestern noch einmal Analyse zum Wetzlar-Spiel (25:28) betrieben. Er hat Yves Grafenhorst gelobt: "Nach einer Durststrecke hat er wieder ein sehr gutes Spiel gemacht." Aber er hat auch "zu viele individuelle Ausfallleistungen" beobachtet – wie auf der Torhüterposition. Es fallen dann zwei gehaltene Siebenmeter weniger ins Gewicht als die Gegentreffer, die trotz vorheriger Absprachen zwischen Keeper und Deckung kassiert wurden. Er konnte seiner Abwehr nicht mal eine Geschlossenheit absprechen, dazu kamen zu wenige Anspiele an den HSG-Kreis. Dafür musste er die fehlende Aggressivität, mit der Rückraum attackiert wurde, resümieren.

Am Montag hatten seine Schützlinge die Möglichkeit zu regenerieren – eine leichte Einheit, ein bisschen Passtraining, kein läuferischer Höchstaufwand. Carstens hat sich auch mit seinem Kapitän Fabian van Olphen zusammengesetzt und gesprochen. "Aber wir haben sehr viel geredet in den vergangenen Wochen", berichtet der Coach. Er wird nicht zuletzt von seinen Leitwölfen eine Reaktion erwarten in Kiel, nachdem sie in Wetzlar kaum Verantwortung übernehmen konnten. "Jetzt sind Taten gefragt."

Es sind also drei Punkte gefordert, um das primäre Ziel, das Tempospiel der Kieler abzuwenden und schnell in die Positionsabwehr zu finden ("Das wäre ein erster Erfolg"), zu erreichen: "Zusammenhalt, körperlicher Einsatz und Kampfgeist", hat Carstens aufgezählt. Die Abwehr war zu Beginn der Saison "die Basis für den Erfolg", dahin "müssen wir wiedeer kommen". Und es muss nicht zwangsläufig die übliche 6-0 sein. In Wetzlar hat der SCM gezeigt, dass "es auch andere Möglichkeiten gibt, die zu uns passen", erklärt Carstens. Er hatte es dort mit einer Manndeckung, mit einer 5-1 und mit einer 4-2 probiert nach der Pause, und diese Umstellungen hatten trotz der Niederlage zwischenzeitlich Wirkung gezeigt.

Personell sieht es so aus: Jure Natek kann ob seiner muskulären Probleme nicht trainieren, stellt sich aber im Spiel zur Verfügung. Zsolt Balogh laboriert an Schulterproblemen, Steffen Coßbau (Ermüdungsbruch) fehlt sowieso. Dafür reist Niklas Kupfer mit.

Und bei Kiel? Christian Zeitz wird nach seinem Außenbandriss noch einmal geschont. So etwas kann sich nur die beste Mannschaft der Welt leisten.