Aue (dpa). "Wir kommen aus der Tiefe, wir kommen aus dem Schacht - Wismut Aue, die neue Fußball-Macht." Die Sprechchöre der Fans sind uralt, doch gerade jetzt scheinen sie aktueller denn je. Der FC Erzgebirge Aue (früher BSG Wismut) mischt die 2. Fußball-Bundesliga auf, ist mittlerweile punktgleich mit Tabellenführer Hertha BSC und dennoch nicht im Freudentaumel.

Trainer Rico Schmitt, im zweiten Jahr für die wegen ihrer lilafarbenen Trikots "Veilchen" genannten Mannschaft zuständig, wird nicht müde, das Saisonziel gebetsmühlenartig zu wiederholen: "Wir wollen auch in der nächsten Saison 2. Liga spielen. Dazu brauchen wir 40 Punkte. Je eher wir die haben, desto besser."

26 Zähler hat der Unterdog aus der 16 000 Einwohner zählenden Stadt im Erzgebirge bislang gesammelt. Bochum, Duisburg, Fürth, Düsseldorf bekamen vom Team der Namenlosen die Grenzen aufgezeigt. Nachdem anfangs die Siege durch eine Betonabwehr gesichert wurden und eher durch Glückstreffer zustande kamen, hat sich mit gesteigertem Selbstvertrauen auch das spielerische Element eingestellt.

Die Gründe für das "Herbstmärchen" im Lößnitzgrund sind vielfältig. Zum Saisonstart wurde der Aufsteiger zunächst unterschätzt. Mittelfeldmotor Marc Hensel, mit fünf Treffern erfolgreichster Auer Torschütze, meinte zu Beginn der Spielzeit: "Viele wissen doch gar nicht, wo Aue liegt. Die nehmen uns gar nicht für voll." Darauf können die Erzgebirgler nun nicht mehr bauen. Doch mit der Spielweise kommt die Konkurrenz einfach nicht klar. Sie basiert auf einer sicheren Deckung, die erst sieben Treffer zuließ. Meist stehen die Auer mit zwei Viererreihen in der eigenen Hälfte, um dann bei Ballbesitz blitzartig auszuschwärmen.

Dieses Überraschungsmoment und die Tatsache, dass die einzige Spitze meist in die Rolle des Ballverteilers rückt, öffnet Räume, die die Auer eiskalt nutzen. Zudem sind sie die "Standardkönige" der Liga: Zehn der 15 erzielten Tore fielen nach ruhenden Bällen. Die harte Saisonvorbereitung macht sich ebenfalls bezahlt. Völlig platt beendeten die Auer Kicker das Sommertraining, verloren die Tests selbst gegen Viertligisten. Intern wurde Schmitt schon infrage gestellt, doch der Erfolg gibt ihm recht: Wenn alle bereits mit heruntergezogenen Strümpfen über den Platz schleichen, rennen die Sachsen noch wie die Batterie-Häschen. Hensel denkt angesichts der Erfolgsserie schon weiter: "Wir müssen den Klassenerhalt so schnell wie möglich sichern, das ist klar. Sollten wir zum Ende der Hinrunde aber über 30 Punkte haben, nimmt uns keiner mehr diese Zielstellung ab."