Der Deutsche Ruderverband (DRV) hat den zweiten Finaltag bei den Weltmeisterschaften im neuseeländischen Hamilton mit zwei Medaillen beendet. Daniela Reimer/Anja Noske sicherten sich im Leichtgewicht-Doppelzweier Silber, der Doppelvierer der Frauen kam auf Rang drei. Leer ging SCM-Athlet Mathias Rocher im hochgehandelten Doppelvierer aus – nur Rang vier.

Hamilton/Magdeburg. Und aus der Tiefe des dunklen Raumes ertönte ein schweres Brummen: 15 Ruderfreunde hatten sich am Freitag um 2 Uhr im Konferenzraum des Olympia-Stützpunkts in Magdeburg getroffen, um ihrer letzten Medaillenhoffnung die Daumen zu drücken. André Willms, selbst Weltmeister und Olympiasieger im Doppelvierer, seufzte seine ersten Zweifel bereits nach 500 Metern heraus: "Da war der Abstand schon zu groß. Das Boot war nicht im Rennen gewesen." Willms wusste aber auch: "Nach den Vorleistungen war eine Medaille möglich."

Die Bedingungen auf dem Lake Karapiro waren sowohl in Willms Fern- als auch in DRV-Coach Hartmut Buschbachers Nahdia-gnose "grenzwertig", letztlich aber noch regulär. Der Wind hatte stark aufgefrischt von zwischenzeitlich 17 auf 21,4 km/h. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Regattatag abgebrochen wird und die Rennen am nächsten Tag bei ruhigeren Bedingungen nachgeholt werden", meinte Rocher. In allen Läufen zeigte sich indes, dass die Boote auf Bahn eins, die erst mit Gegenwind und dann mit Seitenwind von links kämpften, aber auf der Schlussgeraden im geschützten Tribünenbereich ruderten, die besten Karten für den Sprint hatten. In Rochers Rennen war das Italien, das sich nur gegen dominierende Kroaten (Bahn vier) nicht durchsetzen konnte. Der SCM-Schlagmann und sein Team lagen bis 1500 Meter noch auf Bronzekurs, als sich die Australier erst heran- und dann vorbeischoben, weshalb das allgemeine Brummen im Magdeburger Raum einsetzte. 0,60 Sekunden fehlten dem DRV-Boot zur Medaille. "Wir hatten fest mit einer Medaille gerechnet und gehofft, dass sie ein bisschen golden glänzt", sagte der enttäuschte Rocher.

"Australien hat gekontert, wir konnten nicht mehr gegenhalten", hatte Willms beobachtet. "Wir hatten von Anfang an keine Chance auf Gold", sagte Rochers Heimtrainer Roland Oesemann, "konnten keinen entscheidenden Akzent setzen." Vielleicht war der Abstand zwischen Vorlauf am Montag und Finale gestern zu groß, weshalb die Hünen "es schwer hatten, den Spannungsbogen wieder aufzubauen", so Oesemann.

Für René Bertram im Riemenvierer waren die Hoffnungen auf eine Medaille bereits im Hoffnungslauf gestorben. Der dritte Platz hatte nur noch zur Teilnahme am B-Finale qualifiziert. Nach dem gebrochenen Steuerschuh von Schlagmann Florian Eichner im Vorlauf fanden die Deutschen nicht mehr zu ihrer Sicherheit. "Sie hatten eben nur dieses eine Rennen an der Kehle", so Oesemann. Der Druck war zu hoch. Gestern belegten sie über die 2000 Meter in 6:18,10 Minuten den zweiten Platz im B-Endlauf, wurden insgesamt Achte. Zugleich dokumentiert die Zeit die Veränderung der Witterung. Die siegreichen Franzosen (natürlich auf Bahn eins) benötigten knapp drei Stunden später im A-Finale 6:45,38 Minuten. Und die Topfavoriten aus Großbritannien (Bahn vier) erlebten mit Rang vier ihr ganz persönliches Desaster.

Für die Magdeburger, allen voran für Bertram, ist "ein schwieriges Jahr" mit ungewöhnlich langen Wettkampfpausen, mit Höhen und Tiefen beendet, weiß Oesemann. In fünf Monaten startet die neue Saison mit den Kleinbootmeisterschaften.