Von Janette Beck

Magdeburg/Großwallstadt. 13 Spieltage, sieben Trainerentlassungen – die Handball-Bundesliga spielt verrückt. War man es bislang eher aus dem hochdotierten Fußballgeschäft gewohnt, dass – zumeist bei ausbleibenden sportlichen Erfolgen – kräftig am Trainerstuhl gesägt wurde, wird ein solches Prozedere immer mehr auch bei den Handballern zum traurigen Alltag.

Zuletzt erwischte es Michael Biegler beim TV Großwallstadt. Nach nur elf Monaten trennte sich die Mainfranken am späten Dienstagnachmittag von dem 49-jährigen Coach, der vor gut einem Jahr seinen ursprünglich bis Sommer 2010 datierten Vertrag beim SC Magdeburg vorzeitig beendet hatte.

Der Rauswurf beim TVG, der die Verantwortung mit sofortiger Wirkung an Co-Trainer Peter David übertragen hatte, kam nicht nur für Insider aus heiterem Himmel. Auch Biegler selbst sei "sehr überrascht" gewesen, hieß es. "Ich habe sofort meinen Anwalt und meinen Berater kontaktiert", wird der Diplomsportlehrer in der "Offenbach Post" zitiert. Und weil der Verein sich über die Gründe für den plötzlichen Sinneswandel, der ihm angesichts des Dreijahresvertrages von Biegler finanziell teuer zu stehen kommen könnte, ausschweigt, schießen Spekulationen wild ins Kraut.

Sportlicher Misserfolg dürfte als Ursache aller-dings ausscheiden, denn mit 13:13 Zählern rangiert der TVG auf Platz neun, hinter dem SCM, aber vor dem TBV Lemgo. Zudem wurde am Wochenende der Sprung ins Achtelfinale im EHF-Pokal perfektgemacht.

Dass es Unstimmigkeiten mit der Mannschaft gegeben haben soll, wies diese weit von sich. "Um unbegründeten Vermutungen entgegenzutreten, wollen wir hiermit zum Ausdruck bringen, dass die Beurlaubung unseres Trainers uns genauso unerwartet erreicht hat, wie die Öffentlichkeit. Wir wurden im Vorfeld nicht von den Überlegungen des Vereins in Kenntnis gesetzt und stellen hiermit klar, dass die Mannschaft gerne weiter mit Michael Biegler zusammengearbeitet hätte", hieß es in einer gestern veröffentlichten Verlautbarung.

In dieser Spielzeit sind bereits Ola Lindgren als Trainer der Rhein-Neckar Löwen, Matjaz Tominec (Melsungen), Patrik Liljestrand (N-Lübbecke), Jens Pfänder (Ahlen-Hamm), Michael Roth (Wetzlar) und Per Carlen (Flensburg-Handewitt) aus unterschiedlichen Gründen gegangen.