Magdeburg l Jetzt geht‘s richtig los! Die Handbiker des USC Magdeburg, die mit 18 Mitgliedern das Gros der Abteilung Reha- und Gesundheitssport des Universitätssportclubs stellen, gehen das neue Sportjahr mit viel Schwung und Elan an. Das wird mit den Paralympics in Rio den absoluten Höhepunkt erreichen. Zwar gibt es mit Andrea Eskau (44) nur eine Top-Athletin, die das Ziel Rio anstrebt, doch dafür geht das Streben des Zugpferdes der USC-Handbiker auch weit über den olympischen Gedanken hinaus (siehe Text unten).

Dabei sein ist dagegen das Motto für Carsten Blech (45) und Patrick Höckendorff (28). Gemeint ist damit die erstmalige Teilnahme der beiden Rollstuhlfahrer an den deutschen Meisterschaften (DM) der Paracycler. „Im Leistungssport anzugreifen, ist unser erklärtes Ziel für 2016“, bestätigte Peter Fuhrmann, Abteilungsleiter und Mentor der Handbiker in der Region, bei der Jahresabschluss-Feier im Firmensitz der Strehlow GmbH, die den Behindertensportlern seit Jahren mit Rrat und Tat hilfreich zur Seite stehe. „Dass Patrick und Carsten dieses Ziel überhaupt ins Visier nehmen konnten, ist indirekt auch Andrea zu verdanken“, so Fuhrmann weiter.

Die Top-Leistungen der Powerfrau wurden anlässlich des 60. Geburtstages des USC mit einem Spendenscheck honoriert – die 3000 Euro sollten zweckgebunden der „Nachwuchsabteilung“ der Handbiker zugutekommen. „Letztlich wurden zwei gebrauchte Rennbikes gekauft. Mit denen sind wir erstmals konkurrenzfähig, so dass ein Start bei der DM auch Sinn macht.“

Wie groß der Unterschied ist, macht Blech, der das Handbiken seit zwei Jahren im leistungssportlichen Bereich betreibt, deutlich: „Meine Marathon-Bestzeit lag mit meinem alten ,Knatterteil‘ bei rund zwei Stunden. Mit dem neuen Bike bin ich über eine halbe Stunde schneller. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, so der Klein Rodensleber, der seit dem Alter von 16 Monaten infolge einer Tumor-OP inkomplett querschnittsgelähmt ist.

Zwei- bis dreimal die Woche gehen er und Patrick Höckendorff nunmehr auf die Piste – im Stadtpark, auf Tartanbahnen oder eben ganz normal auf der Straße. Was nicht ganz ungefährlich ist. „Am besten macht sich das Training natürlich auf der Rennstrecke in Oschersleben. Aber der logistische Aufwand ist schon sehr groß“, gibt Höckendorff, der nach einer fast tödlichen Hirnhautentzündung seit gut zwei Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, zu bedenken. Oftmals scheitere es schon allein daran, dass an manchen Trainingsorten keine behindertengerechten Parkplätze vorhanden sind, so dass das Ein- und Ausladen des Bikes schon ein Akt der Unmöglichkeit ist. Dennoch will sich das USC-Duo nicht von seiner Mission abhalten lassen. Erste Etappenziele bauf dem Weg zur DM im Sommer sind der Halb-Marathon in Berlin (April) und die Marathons in Hamburg und Duisburg. „Irgendwo unter die Top Ten zu kommen, wäre ein Traum“, hat Höckendorff bereits der Ehrgeiz gepackt.