Königssee/Magdeburg l Benedikt Hertel hat eine alles andere als leichte Entscheidung getroffen: Der Anschieber war erst am letzten Januar-Wochenende Junioren-Weltmeister geworden im Viererbob von Bennet Buchmüller (BSC Winterberg) und hatte sich deshalb seinen Start bei der Elite-WM an diesem Wochenende in Königssee redlich verdient. Doch dann zog sich der 20-jährige Erfurter eine Entzündung am Steißbein zu. „,Bene‘ ist ein guter Freund von mir und in meiner Trainingsgruppe, deshalb war ich immer über seinen Gesundheitszustand informiert“, berichtete Paul Krenz vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC). „Aber dass ich nun für ihn anschieben werde, damit habe ich im Traum nicht gerechnet.“

Hertel, der 1,96-Meter-Hüne, hat nämlich seinen Platz geräumt für Krenz, „weil er nicht schnell genug fit wird“, bestätigte MSC-Trainer Norman Dannhauer. „Das ist eine sportlich sehr faire Geste“, zollte der 37-Jährige seinen Respekt. Und diese Geste hievte seinen Schützling Krenz vom WM-Ersatzmann zum WM-Anschieber, der sich nun im Buchmüller-Vierer in vier Läufen am Sonnabend und Sonntag der internationalen Konkurrenz stellen wird. Mit Kevin Korona im Schlitten von Nico Walther (Oberbärenburg) ist der MSC damit zweimal in Königssee vertreten.

Krenz muss sich dazu etwas umstellen, auch wenn Dannhauer betonte: „Er ist auf allen Positionen einsetzbar.“ Aber auf der rechten Seite wie Hertel hatte er in seiner erst knapp dreijährigen Laufbahn weniger Starts als auf der linken. „Das Training hat allerdings sehr gut funktioniert, das hat alles gepasst“, berichtete der 25-Jährige nach der ersten gemeinsam Einheit am Dienstagabend am Telefon. Das schürt auch die Hoffnung, das gemeinsame Ziel erreichen zu können. „Wir wollen einen Platz in der Top 15“, erklärte Krenz.

Dazu könnte der Crew das Wetter entgegenkommen. „So mies habe ich es noch nicht erlebt“, berichtete der 1,87 Meter große Krenz über Dauerregen und sechs Grad Celsius. „Hier in den Bergen ist es immer schwierig, eine Vorhersage zu geben. Ich denke aber, dass uns alle anderen Umstände eher zugute kommen als perfekte Bedingungen bei Sonnenschein und minus sieben Grad“, erklärte der Anschieber.

Und wie geht es kurz vor dem ersten WM-Lauf der eigenen Nervosität? „Momentan fühlt sich alles ganz normal an“, sagte Krenz. Natürlich sei er ein wenig aufgeregter als zum Beispiel beim Europacup. „Und wenn wir am Freitag dann die Teambesprechung haben, dann wird es auch kribbeln.“ Aber das legt er am Sonnabend wieder ab, ist sich Krenz sicher: „Dann schalten wir in den Wettkampfmodus um.“