Winterberg/Magdeburg l Zum zweiten Showdown ist es nicht mehr gekommen. Schon das erste Selektionsrennen in Winterberg am vergangenen Wochenende hatte Bundestrainer René Spies ausreichend überzeugt, die siegreiche Bobpilotin Anna Köhler (Winterberg) neben den gesetzten Mariama Jamanka (BRC Thüringen) und Stephanie Schneider (Oberbärenburg) für das Weltcupteam der neuen Saison zu nominieren. Für den Mitteldeutschen Sportclub (MSC) bedeutet das: Anschieberin Lisa Gericke „wird im Europacup fahren und sich auf die Junioren-Weltmeisterschaften vorbereiten“, sagte Trainer Norman Dannhauer.

Gericke hatte sich und ihrer Pilotin Kim Kalicki (Wiesbaden) durchaus Chancen eingeräumt, bei der Vergabe des dritten Startplatzes im Weltcup eine Rolle zu spielen. Aber letztlich war ihr verletzungsbedingter Substanzverlust in der Vorbereitung womöglich zu groß. Schon der erste Startertest Anfang September in Oberhof „lief nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe“, berichtete die ehemalige Eisschnellläuferin nämlich. Da war sie von ihrer Bestzeit (5,17 Sekunden) über 40 Meter fliegend im Eiskanal eine Zehntelsekunde entfernt.

Trotzdem war und ist sie sich sicher: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“ Und der ist nach der Selektion für sie noch nicht zu Ende. Denn die 22-Jährige hat noch eine weitere Chance auf Olympia: Am 22. Dezember findet dazu der alles entscheidende Test für die Anschieber in Oberhof statt: „Bis dahin möchte ich den Rückstand auf die anderen aufholen“, sagte Gericke.

Die Vorbereitung ist für sie nicht optimal verlaufen. Eine Sehne vom Knieansatz zum Oberschenkel bereitete hartnäckig Probleme. „Es ist nicht schnell genug verheilt. Ich konnte nicht mal Treppe steigen“, berichtete sie. Zudem musste sie einige Kilogramm abnehmen, weil der Bob- und Schlittenverband (BSD) eine Gewichtslimitierung festgelegt hat – auch das hat Substanz gekostet. Anschieberinnen dürfen nicht mehr als 80 Kilogramm wiegen. „Damit kann ich aber bei allen Pilotinnen mitfahren“, berichtete Gericke. „Und das erhöht auch die Chancen auf Weltcup und Olympia.“

Sollte es nun auch an jenem Dezember-Tag nicht mehr zum Start bei den Spielen in Pyeongchang (Südkorea/9. bis 25. Februar) reichen, hat sie bereits die feste Zusage ihrer Pilotin, mit ihr durch die Saison zu fahren. „Kim ist auch erst 20, es wäre für uns beide kein Weltuntergang, wenn wir es nicht schaffen“, sagte Gericke im Vorfeld der Selektion. Für Kalicki war grundsätzlich vorgesehen, sie im kommenden Winter weiter an die Spitze heranzuführen. „Sie ist ein riesiges Talent, aber sie braucht noch viele Fahrten“, so Dannhauer. Geht es also nicht nach Pyeongchang, geht es eben zur JWM nach St. Moritz (Schweiz/22. bis 28. Januar). Dort können beide den ersten Platz in der U-23-Wertung aus dem Vorjahr verteidigen.