Magdeburg l Es ist nicht überliefert, ob Nico Walther in der folgenden Nacht im Schlitten sogar geschlafen hat. Zumindest hat der 25-Jährige sein Gefährt mit vielen Streicheleinheiten bedacht nach seinem ersten Weltcupsieg der Saison am vergangenen Sonntag in Königssee. Die Festtagsgesellschaft an der Bahn rief danach mehrfach seinen Namen. „Nico hat es am besten gemacht und hat verdient gewonnen“, sagte sein Oberbärenburger Vereinskollege Francesco Friedrich, der Rang vier belegte. Auf Platz zwei fuhr Maximilian Arndt (Oberhof), unter anderem angeschoben von Kevin Korona (MSC).

Letztlich aufgeatmet hat aber vor allem Walther. Und nicht nur er. Auch seine Anschieber.

Der Anschieber, der dem Piloten im Bob am nächsten sitzt, ist Marko Hübenbecker vom Mitteldeutschen Sporttclub (MSC). Und nach viel Kopfschütteln in den letzten Wochen ist auch der 29-Jährige wieder zur bewährten Jubelorgie zurückgekehrt, allen voran mit kräftigen Schulterschlägen für den Mann an den Lenkseilen. „Das war ganz wichtig für Nico. Er weiß jetzt, dass er es immer noch kann“, sagte Hübenbecker. Nach Platz zwei in Altenberg und Rang drei in Winterberg hat Walther mit dem Sieg seine Ambitionen auf sein Ziel endgültig untermauert: Gold bei der Weltmeisterschaft im Februar in Innsbruck-Igls (Österreich).

Trotzdem ist längst nicht alles perfekt. Was in der Eisrinne flüssig läuft, schleicht sich noch am Start. Wenngleich: „Wir waren eine zusammengewürfelte Truppe, und dafür waren es gute Startzeiten“, sagte Hübenbecker. Zur Truppe gehörten neben Walther, ihm und Eric Franke (Oberbärenburg) auch Gregor Bermbach (Winterberg), der für den verletzten Andreas Bredau (MSC/Muskelfaserriss) und den erkrankten Christian Poser (Potsdam/Scharlach) ins Team gerückt war. Mit 4,85 und 4,86 Sekunden in den jeweiligen Läufen schob das Quartett mit der sechstschnellsten Zeit an. „Unser Teamrekord ist nur zwei Hundertstel besser“, so Hübenbecker. Und die Fahrt von Walther „war einfach eine riesen Leistung“. Was auch der Topspeed zeigte: Mit 125,31 und 125,45 Kilometern pro Stunde war er der Schnellste im Kanal.

Nicht in Ordnung war es indes im Zweier. Da brachten Walther und Hübenbecker am Sonnabend den Schlitten einmal als Elft- und einmal als Zwölftschnellste in die Rinne – und belegten am Ende Rang drei. Hübenbecker sieht den Nachholbedarf auch aufgrund der langwierigen Knieverletzung, die Walther vor der Saison an einem vernünftigen Training hinderte: „In jedem Fall haben wir noch nicht das erreicht, was wir uns vorstellen und können.“

So sieht es auch Walther: „Wir müssen jetzt die Weihnachtspause nutzen, um weiter am Start zu arbeiten“, erklärte der Pilot. Entgegengekommen sind ihnen dabei die Verantwortlichen des Bob- und Schlittenverbandes. Den am 23. Dezember angesetzten Test, bei dem bereits die WM-Teilnehmer gesucht werden sollten, bestreiten ausschließlich die Junioren. Und nicht nur das: Sollte es tatsächlich noch einen Bedarf für diesen Test geben, wird er nach den Weltcups in Übersee ausgetragen. Die Tour über die drei Stationen Lake Placid, Park City (beide USA) und Whistler (Kanada) startet am 1. Januar.