Sommerspiele in Tokio

David Wrobel und die Enttäuschten

Nach David Wrobel vom SC Magdeburg im Vorkampf sind auch Daniel Jasinski und Clemens Prüfer im Diskus-Finale von Tokio gescheitert. Schlechter war zuletzt in einem Hauptkampf Detlef Torith.

Von Daniel Hübner
Kein gutes Finale: Daniel Jasinski (l.) und Clemens Prüfer.
Kein gutes Finale: Daniel Jasinski (l.) und Clemens Prüfer. Foto: dpa

Tokio/Magdeburg - David Wrobel hat eine Rede an die Fans gehalten, hat der Gemeinde erklärt, dass es ihm leid tut, nicht ins Finale gekommen zu sein. Er saß bei dieser Videoaufnahme für seine „Facebook“-Seite am Sonnabend in seinem Zimmer im olympischen Dorf in Tokio. Und den Augen nach zu urteilen, hatte er die Nacht zuvor durchgeweint. Nicht nur aufgrund seines vorzeitigen Ausscheidens am vergangenen Freitag im Vorkampf der Diskuswerfer bei den Olympischen Spielen, auch aufgrund seines schmerzenden Ellenbogens.

Der 30-Jährige, der kurz vor dem Wechsel vom SC Magdeburg nach Stuttgart steht, hatte 60,38 Meter ins Feld gebracht mit der Zwei-Kilo-Scheibe. Das ist natürlich nichts bei Olympia. „Ich habe, so gut es geht, geworfen. Ich habe mich selbst enttäuscht“, sagte er am Sonntag. Und berichtete sodann von seiner Saison. Immer wieder habe es nach den Wettkämpfen gezwickt in diesem Ellenbogen des rechten Wurfarms, aus dem er sich hatte störende, freie Gelenkskörper im August 2020 entfernen lassen. Das MRT, zu dem er sich sofort nach dem Vorkampf begab, lieferte das niederschmetternde Ergebnis: Sie sind noch oder wieder da, die freien Gelenkskörper. Und bis zu einen Zentimeter groß.

Stahl siegt

Nun könnte man ganz besonders klug sein und mitteilen, David Wrobel immer wieder auf das Problem hingewiesen und eine Wettkampfpause empfohlen zu haben. Gerade nach seiner Bestleistung im Mai bei den Werfertagen in Halle. Mit dem dort erzielten persönlichen Rekord von 67,30 Metern ist er weiterhin der drittbeste Deutsche in diesem Jahr. Die beiden besten Deutschen, Daniel Jasinski aus Wattenscheid (67,47) und Clemens Prüfer aus Potsdam (67,41), haben es dann in Tokio mit 63-Meter-Würfen sogar ins Finale geschafft. Und sind dort am Sonnabend gescheitert.

Womöglich wäre das bei entsprechender Qualifikation auch Wrobel. „Die 63 Meter hatte ich drauf“, sagte er. Er wäre auch im Hauptkampf trotz der Schmerzen gestartet. „Das Risiko wäre groß gewesen“, weiß Wrobel. Er musste es nicht eingehen. „Die Saison ist nun für mich beendet.“ Er wird sich um seinen Ellenbogen kümmern. Seine kurzfristigen Ziele lauten Weltmeisterschaft in Eugene (USA) und Europameisterschaft in München. Jeweils im nächsten Jahr.

Jasinski, der Bronzegewinner von Rio, wurde in Tokio mit 62,44 Metern Zehnter. Prüfer, mit 23 Jahren wie Wrobel ein Olympia-Debütant, belegte mit 61,75 Metern den elften Rang. Gold gewann Daniel Stahl, der Schwede, mit 68,90 Metern. Allein seiner konstanten Leistungen aus den vergangenen Jahren wegen hätte es keinen würdigeren Sieger geben können als den 28-jährigen Weltmeister. Stahl hat schon einige Male die 70-Meter-Marke geknackt.

Wiesenweite ist kein Weltniveau

Zurück nach Deutschland, das 2016 (Christoph Harting), 2012 (Robert Harting), 1996 (Lars Riedel) Olympiasieger hevorgebracht hat, das mit Jürgen Schult Silber 1992 geholt hat. Zurück in die Zeit vor der politischen Wende, als Schult 1988 für die DDR und Rolf Danneberg 1984 für die BRD jeweils Olympiasieger wurden: Schult mit 68,82, Danneberg mit 66,60 Metern. Der letzte, zugleich beste Deutsche, der bei Sommerspielen schlechter als Jasinski in Tokio geworfen hat, hieß Detlef Torith (DDR), der 1972 in München mit 62,42 Metern Sechster wurde – vor 49 Jahren also.

Was die Deutschen derzeit von der Weltspitze also unterscheidet? Ein Stahl haut auch in der Stadion-Schwüle von Tokio einen raus. Ein Hüne aus dem nationalen Verband (DLV) muss erst bei einem Wiesenfest auf Wind hoffen, um sich eine Olympianorm von 66 Metern zu sichern. Jasinski (31) erklärte zu seinem Finale: „Ich habe die Dynamik nicht auf den Diskus bekommen. Es ist ärgerlich, dass so etwas bei Olympia passiert.“ Und Prüfer erklärte: „Vielleicht wollte ich zu viel. Da leidet am Ende dann meistens die Technik drunter.“ Clemens Prüfer hat aber noch Zeit, viel Zeit. Genauso wie sein Bruder Henning. Genauso wie Henrik Janssen vom SCM. Das ist die gute Nachricht.