Sommerspiele in Tokio

Florian Wellbrock: Der Plan geht auf

Florian Wellbrock vom SC Magdeburg schwimmt am Sonntag um Gold: Mit einer souveränen Vorstellung im Vorlauf über 1500 Meter Freistil hat er das Finale erreicht.

Von Daniel Hübner
Florian Wellbrock hat einen Plan für das Finale.
Florian Wellbrock hat einen Plan für das Finale. Foto: dpa

Tokio/Magdeburg - Und wenn Gregorio Paltrinieri am Sonntag wieder die Flucht nach vorn ergreift? Wenn er sich frühzeitig absetzt, um am Ende seinen zweiten Olympiasieg über die 1500 Meter Freistil sichern zu wollen? Dann wird sich Florian Wellbrock vom SCM daran erinnern, wie er den Italiener „die letzten Male gut ausgekontert hat“, sagte er. Und er wird sich daran erinnern, was er noch am Donnerstag bei seinem vierten Platz im Finale über 800 Meter falsch gemacht hat. Nämlich: Paltrinieri ziehen lassen und das eigene Grundtempo nicht genutzt.

Dass die folgende Analyse – ganz sicher mit aller Deutlichkeit von Trainer Bernd Berkhahn vorgetragen – gefruchtet hat, hat Wellbrock am Freitag im Vorlauf über 1500 Meter gezeigt. Eindrucksvoll im Übrigen. „Das war körperlich und mental nicht so einfach nach dem harten 800-Meter-Finale, das hat Florian gut bewältigt“, erklärte der Coach. Sein Schützling ist so schön ruhig, gleichmäßig, geschmeidig und kontrolliert seinen sieben Gegnern vorausgeschwommen, hat nach 14:48,53 Minuten angeschlagen – und musste dann auf die „schnellen Jungs“ im letzten Vorlauf warten. „Das war ein psychologischer Nachteil“, stellte Wellbrock fest.

Drittschnellster nach den Vorläufen

Am Ende ist er mit der drittschnellsten Zeit ins Sonntagsfinale (3.44 Uhr MESZ) gekrault. „Ich bin zufrieden, denn ich hatte den schwierigeren Vorlauf. Ich musste das Tempo mehr oder weniger allein machen“, so Wellbrock. Am schnellsten war der Ukrainer Michailo Romantschuk (14:45,99), ihm folgten außerdem 800-Meter-Olympiasieger Robert Finke (14:47,20) und Paltrinieri (14:49,17), der einen Monat nach seiner Erkrankung an Pfeifferschem Drüsenfieber und einen Tag nach seinem Silbergewinn über 800 Meter so gar keine Schwäche zeigte. Lukas Märtens vom SCM schloss indes seine Olympia-Premiere als Elfter mit 14:59,45 Minuten ab.

Wellbrock weiß nun, was die „schnellen Jungs“ können auf dem langen Kanten. Das wusste er schon über Romantschuk und Paltrinieri, das wusste er bislang nicht über Finke. Aber auch der 21-Jährige kann viel. Nur soll Wellbrocks Können immer noch das größte bleiben wie bei der Weltmeisterschaft 2019 in Gwangju (Südkorea), als der 23-Jährige den Titel gewann. „Wir haben die Taktik besprochen“, sagte Wellbrock zu seinem Vorlauf, in dem der Plan aufgegangen ist. Nach den jüngsten Erkenntnissen werden sie für den Endlauf erneut eine Taktik besprechen – Wellbrock und Berkhahn. Und den Fahrplan für Gold festlegen. Berkhahn: „Dass jetzt eine Regenerationsphase von über einem Tag ansteht, wird Florian sicher guttun.“