Reglement

Die Regularien des Weltverbandes FINA zum Einsatz von Neoprenanzügen:

unter 16 Grad: Das Rennen wird nicht gestartet

16 bis 18 Grad: Neoprenanzug ist Pflicht

18 bis 20 Grad: Neoprenanzug optional (Rennleitung entscheidet)

über 20 Grad: Neoverbot

Magdeburg l Wer den Sommer oberhalb Glasgows verbringen möchte, sollte sich warm anziehen. Die Durchschnittstemperatur beträgt in den schottischen Highlands lediglich 14 Grad Celsius. Nicht nur Sonnenanbeter wird allein diese Nachricht frösteln, auch Freiwasser-Schwimmer machen sich so ihre Gedanken: „Alle rechnen damit, dass bei den Wettbewerben Neonpren-anzüge getragen werden müssen“, sagte Bernd Berkhahn, der Trainer des SC Magdeburg. Bei den Wettbewerben zur Europameisterschaft (2. bis 12. August) im 71 Quadratkilometer großen Loch Lomond nämlich.

Dem internationalen Freiwasser-Zirkus kam es deshalb ganz recht, dass am vergangenen Sonnabend beim Weltcup im ungewöhnlich kühlen Setubal (Portugal) der Neopren-anzug seine Premiere feierte. Bei 17 Grad Wassertemperatur schreibt des Reglement des Weltverbandes FINA den Einsatz jener Anzüge vor (siehe Infokasten). Auch die drei Magdeburger Finnia Wunram, Rob Muffels und Marcus Herwig sammelten nach Trainingseinheiten im Barleber See nun über zehn Kilometer ihre Wettkampferfahrungen in dem gummiartigen Material namens Chloropren-Kautschuk, welches nach innen so schön wärmt, welches aber auch das Wassergefühl reduziert, weil nur Kopf, Hände und Füße freiliegen, und die Beweglichkeit in den Schultern einengt. Dennoch resümierten alle drei unisono: „Ich hatte weniger Probleme als gedacht.“

Steif, wehrlos, machtlos

Das sah beim Einschwimmen am Abend vor dem Rennen noch anders aus: Sie habe „wie eine Boje im Wasser gelegen“, berichtete Wunram. Steif, wehrlos, machtlos. „Ich konnte kaum Druck aufbauen. Dabei bin ich jemand, der viel über das Wassergefühl schwimmt.“ Und jemand, der über die Technik kommt. „Ich hatte den Eindruck“, erklärte Coach Berk-hahn entsprechend, „dass die technisch richtig guten Athleten auch im Neopren am besten klargekommen sind.“

Die 22-jährige Wunram hatte ihre Qualitäten genutzt, als die spätere Siegerin Haley Anderson (USA) in der dritten von sechs Runden das Tempo anzog und sich dadurch eine Spitzengruppe mit vier Damen bildete – eine davon hieß Finnia Wunram, die letztlich Vierte wurde. „Das hat sie sehr gut gemacht, sie ist mit viel Übersicht geschwommen“, lobte Berkhahn.

Sehr übersichtlich verlief das Rennen lange Zeit auch für Rob Muffels. Der 23-Jährige hatte früh das Feld gesprengt, aber er hatte auch die Hauptlast der Führungsarbeit im Spitzenduo mit Sieger Kristof Rasowsky (Ungarn) getragen. Das wurde ihm letztlich zum Verhängnis. „Ich habe zu Beginn viel investiert mit dem Ziel, dass Rasowsky mich bis zum Ende auf Platz zwei durchzieht“, berichtete Muffels. 30 Sekunden betrug der Vorsprung der beiden zwischenzeitlich auf die Verfolger. „Aber dann haben die Kräfte für die letzte Runde nicht mehr gereicht.“ 400 Meter vor dem Anschlag wurde er eingeholt und landete letztlich auf Rang 21. „Da hat es mir auch der Neoprenanzug noch schwerer gemacht“, erklärte Muffels.

Nächste Station: Balaton

Ähnlich erging es Marcus Herwig: „Es war sehr warm im Anzug, ich hatte weniger Gefühl fürs Wasser und für die Schultern wurde es anstrengender.“ Der 22-Jährige verpasste mit Rang 38 das EM-Ticket über die olympische Distanz und sucht nun seine Chance über die halbe Strecke bei den deutschen Meisterschaften (28. Juni bis 1. Juli) im Schulsee in Mölln. „Trotzdem war es nicht so anstrengend, wie ich dachte, es ist eben eine Gewöhnungssache“, resümierte Herwig die Anzug-Premiere. „Ich war nur nicht fit genug“, ergänzte er mit Blick auf die durchwachsene Vorbereitung auf Setubal, die von einem Infekt erheblich gestört wurde.

Am kommenden Sonnabend zieht der Weltcup-Zirkus bereits weiter an den Balaton in Ungarn. Auch Wunram, Muffels, Herwig sowie Florian Wellbrock vom SCM sind dann am Start. Allerdings ohne Neopren. Aktuell beträgt dort die Wassertemperatur 24 Grad.