Magdeburg l Für Michael Böhm steht fest: Die Fußballfrauen von RB Leipzig werden die Regionalliga Nordost in der kommenden Saison nicht mehr sehen. Böhm hat die Mannschaft bereits zum Aufsteiger erklärt, weil die Leipzigerinnen schon heute „ein gefühltes Zweitligaformat haben“, sagt der Trainer des Magdeburger FFC. Aber damit allein ließ sich die 0:3 (0:1)-Niederlage seiner Schützlinge am Sonntag beim Liga- krösus natürlich nicht erklären. Es mangelte wie schon beim 1:4 beim USV Jena II und 0:1 gegen Viktoria Berlin wieder an der Chancenverwertung.

Böhm zweifelt nicht an seinem Team

Wer mit Michael Böhm darüber spricht, hört eine Analyse fernab von Zweifeln an den Fähigkeiten seiner Mädels. Zweifel sind auch nicht nötig, denn mit fünf Siegen, einem Remis und vier Niederlagen steht der MFFC auf Platz sechs der Tabelle im gesicherten Mittelfeld. „Es ist eine sehr junge Mannschaft. Die Spielerinnen sind technisch sehr gut ausgebildet. Sie haben eine starke Fitness“, berichtet Böhm. Was dem MFFC also noch fehlt? Es ist die Erfahrung.

Der Coach hat das Team im Sommer übernommen. Wieder übernommen, nachdem er drei Spielzeiten lang im Männerbereich bei Union Schönebeck und MSC Preussen gearbeitet hatte. Er hat Mädels wie Tabea Alsleben aus der zweiten Mannschaft zurückgeholt. Die 18-Jährige war in den Nachwuchsauswahlen Sachsen-Anhalts regelmäßig zum Einsatz gekommen und hatte trotzdem keine Rolle bei den MFFC-Frauen gespielt. „Sie war deshalb in ein Loch gefallen, hat sich aber wieder positiv und zu einer gefährlichen Mittelfeldspielerin entwickelt, die auch den Abschluss aus der Distanz sucht“, lobt Böhm. Alsleben hat bislang vier Treffer in dieser Saison erzielt.

Kompliment aus Leipzig

Überhaupt kann er sich über seine Offensive grundsätzlich nicht beklagen: Jessica Fischer (7) und Manuela Knothe (4) haben bereits elf Stürmertore erzielt. Hinzu kommt ein Treffer von Chantal Münch. Nur steht die 19-Jährige aufgrund einer Knieverletzung vorläufig nicht zur Verfügung. Zugezogen hat sie sich diese beim Training, als sie mit dem Schuh im Kunst- rasen hängengeblieben ist: „Zum Glück muss sie nicht operiert werden“, sagt Böhm.

Das Glück im Abschluss wollen seine Mädchen wieder finden. In Leipzig „haben wir in der ersten Halbzeit ein Offensiv-Feuerwerk abgebrannt und uns sieben Chancen erspielt, die wir nicht nutzen konnten – und kassieren dann kurz vor der Pause das 1:0“, resümiert Böhm. Durch Lea Mauly in der 39. Minute nämlich. Sie traf auch in der zweiten Minute der Nachspielzeit (92.), nachdem Fuko Takahashi (88.) das 2:0 erzielt hatte. „Dabei waren wir dem Ausgleich näher als Leipzig dem zweiten Tor, nachdem wir auf schnelles Umschalten und Konter umgestellt hatten“, erklärt der 34-Jährige.

Böhm fand letztlich ausreichend Gründe, um seine Mannschaft nach dem Abpfiff in der Kabine zu loben: „Wir sind zwar für unseren Mut nicht belohnt worden, trotzdem können wir stolz auf unsere Leistung sein.“

Denn: Leipzig war zum Beispiel nach 37 Minuten gezwungen, Welt- und Europameisterin sowie Olympiasiegerin Anja Mittag einzuwechseln. Und auch Katja Greulich, die RBL-Trainerin, hob in ihrem Fazit die Magdeburgerinnen hervor, ohne sie konkret zu benennen: „Wir hatten zu Beginn des Spiels wenig Sicherheit und wirkten ängstlich. Nach der Pause haben wir versäumt, das 2:0 zu machen. Dadurch blieb es für uns lange Zeit gefährlich.“ Das hört auch Michael Böhm gern von einem künftigen Aufsteiger.