Samswegen l Fast auf den Tag genau elf Jahre liegt es zurück, da gewannen die Stemmer des SSV Samswegen 1884 auf heimischer Bühne ihren zweiten deutschen Mannschaftsmeister-Titel nach 2006. Mit dem Finale am Sonnabend (Wettkampfbeginn 17.30 Uhr) gegen den AV Speyer, amtierender Meister seit 2015, und den alten Rivalen Germania Obrigheim, der den Titel 2008 und 2013 holte, dürfen sich die Fans auf einen Dreikampf der derzeit besten Teams im deutschen Gewichtheben freuen.

Mit ihren bisherigen Saisonbestwerten von 947,1 Punkten (Speyer) bzw. 934,5 Zählern (Obrigheim) sind die Rollen offensichtlich klar verteilt. Bescheidener nehmen sich da die 890,6 Punkte von Gastgeber Samswegen (erzielt beim Auswärtssieg in Chemnitz) aus. „Wir sind Außenseiter, aber falls die anderen patzen, wollen wir unsere Minimalchance nutzen und zupacken“, lautet die Kampfansage von Stefan Bruse. „Unsere eindeutige Vorgabe für die Mannschaft ist ein Ergebnis von 900 Punkte plus. Wir wollen uns von unseren Fans mit einer Neun vorn verabschieden“, so der Samsweger Trainer weiter, der erwartet, dass der Titel diesmal „unter 1000 Punkten weggeht“. Dass sein Sextett da mitmischt, würde jedoch „nur funktionieren, wenn alle unsere Heber an ihre Leistungsgrenze gehen“.

"Wir werden alles geben"

Auch Wolfgang Weber, Sportlicher Leiter des Final-Gastgebers, der diesmal „nicht unbedingt von einem Wettkampf auf Augenhöhe“ spricht, fordert: „Wir werden alles geben, um das Unmögliche möglich zu machen und den dritten Mannschaftsmeistertitel zu holen.“

Zwei bittere Ausfälle

Das Vorhaben „Titel Nummer drei“ hatten die Samsweger im Sommer 2017 gestartet. Mit den Neuzugängen, den Berliner Nationalmannschafts-Hebern Robert Joachim und Michael Müller, dem tschechischen Superschwergewichtler Jiri Orsag, dem polnischen Meister Damian Wiszniewski, dem talentierten Junioren, Eigengewächs Roberto Gutu und Routinier Björn Hertrampf sollten mehr als 950 Punkte möglich sein.

Doch Müller fiel seit der WM Ende 2017 verletzt aus. Das „kostete“ die Samsweger mindestens 50 Zähler. Da sich auch Mark Eckhardt eine Hüftverletzung zuzog, musste der Ende der vergangenen Saison aus dem Team verabschiedete Markus Krümmer-Fuchs wieder einspringen.

„Alle unsere aktuell einsatzfähigen Aktiven haben sich fit gemeldet“, berichtet Bruse, dem ein Trainingsvideo von Orsag vorliegt, „der da recht gute Leistungen angeboten“ habe. Zudem wolle der EM-Dritte seine Scharte vom letzten Heimwettkampf auswetzen, wo der Weltklasse-Athlet im Reißen gleich dreimal an der Anfangslast von 170 kg gescheitert war.

Einen Trumpf scheint der SSV Samswegen doch noch im Ärmel zu haben. „Michael Müller ist nach seiner Schulterverletzung schon wieder auf sehr gutem Weg“, pokert Bruse. Sein Einsatz beim Finale wäre eine durchaus denkbare Option.

Abzuwarten bleibt, wie der AV Speyer den verletzungsbedingten Ausfall von Auswahlheber Tom Schwarzbach kompensieren kann. Mit insgesamt einem Dutzend Medaillen bei der EM im April, darunter viermal Gold, sind die Pfälzer erfolgsreichster Verein bei diesen europäischen Titelkämpfen. „Wir sind gut in Fahrt, und zum Finale haben wir noch Reserven“, hatte es Speyer-Kapitän Jürgen Spieß erst kürzlich zum Ausdruck gebracht.

Für Wolfgang Weber dürfte vor allem auf Germania Obrigheim zu achten sein. Weber traut den Gästen, die von 70 Fans sowie ihrem Bürgermeister begleitet werden, „mindesten 970 Punkte“ zu.

Die Samsweger Gewichtheber-Halle öffnet um 16 Uhr ihre Tore. Um 17 Uhr werden die drei teilnehmenden Mannschaften vorgestellt. Tickets gibt‘s noch an der Abendkasse.