Berlin l Bundestrainer Christian Prokop war auch gestern bemüht, jede Frage mit der gewohnten Freundlichkeit zu beantworten. Doch man merkte ihm an, dass er so langsam nicht mehr hören kann, ob die Vorfreude groß und es was Besonderes sei, ein Turnier im eigenen Land zu spielen. Denn wohl schon Hunderte Male hatte er diese Fragezeichen mit einem dicken Ja vor dem Ausrufezeichen aufgelöst. „Wir haben uns gut vorbereitet, auch genügend teambildende Aktionen gehabt. Jetzt brauche ich die Mannschaft nur noch loslassen“, meinte Prokop am Mittwoch erwartungsvoll.

Eine Mannschaft, die sich nicht mehr als „Bad Boys“ versteht, sondern ausgerechnet in Japan, östlich des heutigen Auftaktgegners Korea gelegen, ein neues Wir-Gefühl gefunden hat. „Die Testspielreise im Sommer nach Japan hat uns ein neues Gefühl für das Miteinander gegeben. Dort ist eine neue Identität entstanden, woraus auch unser neuer Spruch resultiert“, klärte der Kieler Steffen Weinhold das „Ganbaru – Deutschland“ auf.

Das Beste geben

Wenn die Mannschaft sich in der Kabine oder auf der Platte im Kreis versammelt oder nach Auszeiten motiviert, dann gibt Uwe Gensheimer ein „Ganbaru“ vor und die Mitspieler rufen danach „Deutschland“. Ganbaru bedeutet im Japanischen „sich bemühen“, „sich anstrengen“ oder eben „das Beste geben“.

Ab heute ist dies für die DHB-Jungs natürlich Programm. Und soll bestenfalls am 27. Januar in Herning mit dem WM-Pokal in den Händen enden. Den ganz großen Druck wollen sich die deutschen Handballer aber nicht machen. Vize-Präsident Bob Hanning: „Wir tun gut daran, wenn wir von Standort zu Standort denken. Also zunächst mal an die Aufgaben in Berlin, dann Köln und am liebsten natürlich auch noch Hamburg und Herning. Und dafür soll ein klarer Sieg gegen Korea so etwas wie ein Dosenöffner sein.“

Nähe zu den Fans spornt an

Die knapp 2000 Fans beim öffentlichen Training haben gezeigt, was für eine Euphorie die Auswahl des Deutschen Handbalbundes (DHB) auslösen kann und auch will. Fabian Wiede von den Füchsen: „Diesen Hype um den Handball haben wir uns immer gewünscht. Deshalb sehen wir das auch positiv und lassen uns davon eher anspornen.“

Die Stunden bis zum Anwurf sind natürlich fest geplant. Nach dem gestrigen Abschlusstraining waren die Physiotherapeuten noch mal für das Lockern der Muskeln gefragt. Wiede: „Und neben der großen Besprechung wird vor den Spielen auch in kleineren Gruppen noch über spezielle taktische Dinge gesprochen.“

Für Abwechslung muss Prokops Mannschaft auch nicht in das Berliner Schmuddelwetter flüchten. Da bietet das Team-Hotel im Herzen der Hauptstadt, am Potsdamer Platz, genügend Möglichkeiten. So können sich die Spieler an der Dartscheibe oder beim Tischtennis messen. Auch ein Videospiel kommt immer gut an. Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen: „Die Bedingungen im Hotel sind sensationell. Es fehlt wirklich an nichts. Das habe ich so noch nicht erlebt.“

Da muss jetzt nur noch die richtige Musik her. Noch ist nämlich nicht entschieden, was in der Kabine gespielt wird. Mannschafts-Discjockey Groetzki verrät: „Vor allem bei unseren beiden Torhütern müssen wir uns da noch einigen. Während Andreas Wolff ein paar richtig harte Sachen hören möchte, pocht Silvio Heinvetter jetzt auf Roland Kaiser. Vielleicht entscheiden wir uns für die ruhigeren Klänge vor dem Spiel und lassen es eher danach krachen.“