Magdeburg l Auch am Tag danach sprudelte es noch förmlich aus Wolfgang Matzat. Und wer den Ausführungen des Handball-Trainers zur Leistung seiner Damen des TuS 1860 am Sonntag in der Sachsen-Anhalt-Liga folgte, konnte vor allem eines heraushören: echte Zufriedenheit. „Calbe war wirklich der erwartet schwere Gegner. Die können richtig Handball spielen“, sagte Matzat. „Es war ein spannendes Spiel. Und ich bin froh, dass wir am Ende einen Punkt mitgenommen haben.“

Die TuS-Mädels haben im Spitzenduell gegen den Tabellendritten TSG Calbe 27:27 (13:15) gespielt. Was für den Spitzenreiter aus Magdeburg auf den ersten Blick eher weniger zufriedenstellend klingt. Aber: „Calbe lag immer zwei, drei Tore in Führung, das ist nicht einfach“, sagte Matzat. „Deshalb bin ich wirklich stolz auf meine Mannschaft, weil sie nie den Kopf in den Sand gesteckt hat.“

Drei Momente des Trainers

Was freilich nur eine Seite der Medaille war. Denn genauso durfte Wolfgang Matzat auch stolz auf sich selbst sein. Es gab nämlich drei Momente, in denen der TuS-Coach maßgeblich in das Spiel eingriff und es in die richtigen Bahnen lenkte.

Maßnahme eins: Torwartwechsel. „Wir haben mit Karen Breitkopf im Tor begonnen, aber sie hat wirklich überhaupt keine Hand an die Bälle bekommen“, berichtete der Coach. Deshalb wechselte er Mitte der ersten Halbzeit und stellte Judith Baake zwischen die Pfosten. „Auch sie ist nicht gut reingekommen, aber in der zweiten Halbzeit hat sie dann zwei Siebenmeter gehalten. Ihre Paraden haben die ganze Mannschaft wieder aufgebaut.“

Was dringend nötig war. Denn in der 35. Minute lagen die TuS-Mädels bereits mit 14:18 hinten. Doch Matzat gelang ein zweiter wichtiger Schachzug: Er brachte Leonie Wesslowski als Spielmacherin. „Sie war eine Woche im Urlaub, deshalb kam sie erst in der zweiten Hälfte. Für 60  Minuten hätte die Kraft nicht gereicht.“ Und Wesslowski war es, die eine bemerkenswerte Aufholjagd einleitete. Sie warf drei Tore in Serie zum 17:18 (39.), ließ bis zum 20:20 zwei weitere Treffer folgen. Der TuS war wieder im Spiel und ging beim 23:22 durch einen Siebenmeter (48.) sogar erstmals seit dem 1:0 in Führung.

Stetiges Auf und Ab

Was folgte, war ein stetiges Auf und Ab. „Wir hatten zwischendurch sogar die Chance, auf zwei Tore wegzugehen“, resümierte Matzat. Doch weil das nicht gelang, sahen sich die Gastgeberinnen kurz vor Schluss wieder einem Rückstand gegenüber: 26:27 (59.). Also griff der Coach ein drittes Mal ein, nahm 33 Sekunden vor Schluss eine Auszeit und sagte einen Spielzug an. Wieder mit Erfolg: Jenny Friese, am Ende mit acht Treffern beste TuS-Werferin, glich noch aus. Vier Sekunden vor der Schlusssirene. Nach drei entscheidenden Coaching-Maßnahmen von Wolfgang Matzat. Doch der wollte sein Agieren dann doch nicht zu hochhängen. „Es ist doch so: Funktionieren deine Wechsel, bist du der Held, funktionieren sie nicht, bist du der Depp.“

Wobei an diesem Sonntag die Rollen klar verteilt waren.