Montemor-o-Velho l Wenige Tage vor dem WM-Start hat Yul Oeltze bereits einen Titel eingefahren. In einer von zehn Video-Umfragen des Deutschen Kanuverbandes (DKV), veröffentlicht bei Facebook, wurden Athleten nach dem Schönsten im Team befragt. Da war das Votum ziemlich eindeutig: Yul Oeltze. Er selbst musste über die Glückwünsche zu diesem Erfolg herzlich lachen.

Tatsächlich ist Lachen gerade nicht die beste Medizin für den 24-Jährigen vom SC Magdeburg. Seit Sonnabend zwickt die rechte Schulter. Oeltze hofft, dass er mit Hilfe der Ärzte und des steigenden Adrenalinpegels bis zur Weltmeisterschaft, die morgen in Montemor-o-Velho (Portugal) beginnt, den Schmerz unterdrücken kann. Denn für ihn und Peter Kretschmer (Leipzig) geht es im Canadier-Zweier über 1000 Meter um die Titelverteidigung.

Gegen den Schmerz hilft zuweilen aber die Erinnerung. Zum Beispiel an jenes WM-Finale von 2017, damals in Racice (Tschechien), wo der DKV 13 Medaillen gewann. Und wo Oeltze und Kretschmer mit einem famosen Endspurt die Kubaner „überfuhren“. Oeltze: „In unserer Disziplin wird alles im Endspurt geregelt.“ Das war auch beim Goldgewinn bei der EM im Juni in Belgrad (Serbien) nicht anders, als sie von den Rumänen gefordert wurden. „Wir haben das Rennen analysiert und festgestellt: So eng war es noch nie“, so Oeltze.

Trotzdem macht er sich weniger Gedanken über die 1000 als über die 500 Meter, bei der EM waren sie Fünfte geworden. „Es lief noch nicht gut“, sagte Oeltze. Deshalb sind beide speziell bei der abschließenden Vorbelastung am Wochenende im Trainingslager in Duisburg die kürzere Distanz gefahren. „Da sieht man schon, was bei der WM geht“, sagte Detlef Hummelt, Oeltzes Heimcoach.

Starke Konkurrenz im C2

Hummelt weiß, dass nicht nur Oeltze und Kretschmer große Erwartungen an sich haben. Auch der DKV, der elf Frauen und 20 Männer in 25 Disziplinen an den Start schickt, hofft auf erneutes Gold der beiden. „Sie haben aber eine richtig starke Konkurrenz“, erklärte er – die Kubaner, Russen, Brasilianer oder Rumänen.

Hummelt erhofft sich auch von den anderen drei Magdeburgern medaillenverdächtige Leistungen. Wie von Michael Müller (25) im nichtolympischen C4 über 500 Meter. Müller hatte allerdings Probleme mit seinem rechten Auge in der Vorbereitung, die ihn drei Tage lang außer Gefecht setzten. „Trotzdem ist von den Trainingsergebnissen her eine Medaille möglich“, erklärte Hummelt, der zugleich als Bundestrainer für die Canadier-Damen zuständig ist.

Das gilt auch für Jasmin Fritz (22) im Zweier-Kajak mit Steffi Kriegerstein (Dresden) über 500 Meter, „wenn sie an ihre Leistung von der EM anschließen“. In Belgrad waren sie zu Bronze gepaddelt. Und Nina Krankemann (23) im K1 über die 1000 Meter komme als Europameisterin außerdem für Edelmetall infrage.

Krankemann wurde übrigens ebenfalls befragt zum Schönsten im Team. Und zum größten Clown. „Ich?“, fragte sie zurück. Sie lachte, als könnte sie gar nicht verlieren.