Montermor-o-Velho/Magdeburg l Gold für Yul Oeltze, Bronze für Jasmin, zwei vierte Ränge und ein fünfter Platz: Detlef Hummelt, SCM-Trainer und insbesondere Coach der Canadierfahrer Yul Oeltze und Michael Müller, sprach von einer „rundum gelungenen Weltmeisterschaft“ für die vier Magdeburger, auch wenn sich für Müller und Kajak-Fahrerin Nina Krankemann nicht alle Wünsche erfüllten. „Gold für Yul war natürlich nicht zu toppen. Aber auch hat Jasmin eine super Leistung im K2 gezeigt.“

Trost hatte er auch für die beiden anderen Schützlinge: „Der vierte Platz für ,Kowalle‘ (Müller/d. Red.) im C4 tut natürlich weh, trotzdem war es im Vergleich zur EM eine deutliche Steigerung.“ In Belgrad war der Canadier-Vierer Sechster geworden. Und zu Krankemann, Vierte im K1 über 1000 Meter, sagte Hummelt: „Wie für Jasmin war es für sie die erste WM bei den Großen, da ist Platz vier wirklich nicht das schlechteste Ergebnis.“

Yul Oeltze (Canadier-Zweier)

Zum Abschluss am Sonntag fehlten Yul Oeltze und Peter Kretschmer (Leipzig) nur 0,210 Sekunden zu einer Medaille. Sie belegten im Canadier-Zweier über 500 Meter Platz fünf beim Sieg der Brasilianer Erlon Silva/Isaquias Dos Santos. „Wenn man verliert, kann man nicht zufrieden sein“, betonte Oeltze. „Wir haben es am Start verrissen, hatten aber auf Bahn acht auch einen Windnachteil“, erklärte der 24-Jährige: „Trotzdem war es das beste Rennen, das wir über die 500 Meter jemals gefahren sind.“

Mehr als alles andere zählt sowieso der Titel über die doppelte und olympische Distanz, den Oeltze/Kretschmer am Freitag holten und damit zugleich verteidigten. „Im nächsten Jahr wollen wir unser Boot über beide Strecken stark präsentieren“, blickte der Magdeburger auf die WM 2019 in Szeged (Ungarn) voraus. Dort wollen sie zudem den Quotenplatz für die Olympischen Spiele in Tokio holen.

Jasmin Fritz (Kajak-Zweier)

Auch diese glanzvolle Medaille wird bei Jasmin Fritz eher ein dunkles Plätzchen finden: Denn der 22-jährige Schützling von Trainer Eckhard Leue hortet seine Edelmetall-Sammlung zu Hause in einem Schrank. In Erinnerung wird vor allem der Krimi bleiben, in dem Fritz und Steffi Kriegerstein (Dresden) am Sonnabend Bronze im Kajak-Zweier über 500 Meter gewannen. Im Endspurt und mit 0,093 Sekunden setzten sie sich gegen die Französinnen Manon Hostens/Sarah Guyot durch. Die „Partymäuse“, wie die 22-jährige Fritz das Team bezeichnet, haben es krachen lassen. Es gewannen Anna Kárasz/Danuta Kozák (Ungarn).

„Wir haben uns das Rennen am Abend noch mal angeschaut und gedacht: Oh Gott, ist das peinlich, wie wir da losgefahren sind“, sagte Fritz lachend. Der Schlagfrau wehte kräftiger Wind entgegen, davor „hatte ich Respekt und bin deshalb verhalten angegangen“. Aber so, ergänzte sie wieder lächelnd, „bleiben wir undurchschaubar“. Einmal stark am Start, einmal stark im Endspurt. Immer ein Krimi.

Nina Krankemann (Kajak-Einer)

Nach ihrem Halbfinale am Freitagabend über die 500 Meter „kam die zuvor unterdrückte Traurigkeit durch“, sagte Nina Krankemann. Sie musste nicht mehr funktionieren, sie konnte ihren Emotionen freien Lauf lassen. Zwei Stunden zuvor hatte sie im Kajak-Einer über 1000 Meter den undankbaren vierten Platz belegt: „Ich hatte mich mega geärgert“, sagte der Schützling von Eckhard Leue.

Vor allem hatte sie nicht nur die Konkurrenz, sondern auch den Wind auf Bahn vier gegen sich (Volksstimme berichtete). Über die 500 Meter wurde sie am Sonnabend Sechste im B-Finale. Weltmeisterin wurde Danuta Kozák (Ungarn). „Ich nehme trotzdem auch Positives mit“, resümierte Krankemann nach ihrer ersten WM in der Elite. „Ich habe hier gleich eine Trainingseinheit für die neue Saison absolviert. Es gibt noch einiges zu tun“, so die 23-Jährige: „Und ich hoffe, dass 2019 die Portion Glück dazukommt.“

Michael Müller (Canadier-Vierer)

Das Pech hatte die Länge einer Bootsspitze: Michael Müller verlor am Sonnabend im Canadier-Vierer über 500 Meter eine Medaille. Mit dem letzten Schub und mit 0,094 Sekunden setzten sich die Italiener vor dem deutschen Boot mit Müller, Moritz Adam, Conrad Scheibner und Jan Vandrey durch. Den Titel sicherte sich Russland. „Leider hat es nicht für eine Medaille gereicht, aber es war trotzdem ein gutes Rennen von uns“, erklärte der 25-Jährige. „Deshalb sind wir auch nicht mega enttäuscht.“

Schon am nächsten Wochenende hat Müller wie alle Magdeburger wieder die Chance auf Edelmetall: dann bei der deutschen Meisterschaft in Hamburg. Danach geht es für alle Kanuten in den verdienten 14-tägigen Urlaub.