Magdeburg l Frohnatur, Sonnenschein: Es gibt einige positive Begriffe, die Nina Krankemann vortrefflich beschreiben. Zweifel, Misstrauen in die eigene Leistung: Das vermutet man bei der 23-Jährigen im ersten Moment ganz sicher nicht. Aber ja, alles gehört dazu im Leben eines Leistungssportlers. Diese Höhen und diese Tiefen, sagt Krankmann, die sie allesamt selbst erlebt hat.

Wie die Vorstufe zu einem Bandscheibenvorfall 2012. Wie einen Kreuzbandriss 2016, „das war ein herber Rückschlag“, sagt die Kanutin vom SC Magdeburg. „Aber ich hatte auch ein perfektes Umfeld. Trainer, Ärzte, Physiotherapeuten. Sie haben keine Zweifel zugelassen.“ Und ihr letztlich den Mut gegeben, um auch bei der Europameisterschaft in Belgrad Anfang Juli ihren „absoluten Höhepunkt“ zu erleben. Der Titel im Einer-Kajak über 1000 Meter. Mit Freudentränen bei der Siegerehrung.

Nina Krankemann hat ein goldenes Zeichen gesetzt für ihre Zukunft, die sie vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2020 plant. „Es war ein Zwischenschritt“, erklärt die Bundespolizistin in Ausbildung. Aber letztlich doch ein Durchbruch – „meine erste Medaille bei den Erwachsenen“.

Der fließende Übergang von der U  23 zur Elite ist gelungen, wenn auch auf der nicht-olympischen Distanz. Auf den olympischen 500 Metern will sie es nachholen. Dort wurde sie Achte bei der EM. Auch bei der Weltmeisterschaft in Montemor-o-Velho (Portugal/23. bis 26. August) „werde ich alles dafür tun, ins A-Finale zu kommen“. Eine Medaille zu erwarten, wäre allerdings vermessen. Krankemann: „Die möchte ich aber über die 1000 Meter holen.“

Eine neue Rolle

Der K1 – das ist die Diszi- plin für die positiven Irren, die mit sich selbst jubeln oder hadern. Krankemann fährt ihn überhaupt erst das dritte Mal in einer Saison. Sie fuhr ihn als Juniorin 2013 und wurde deutsche Meisterin, sie fuhr ihn bei der U-23-WM 2015 und wurde Vierte über 500 Meter. In den folgenden beiden Jahren feierte sie Gold und Silber im K4 bei den Welttitelkämpfen des ältesten Nachwuchses. „Den Einer international zu fahren, ist auch eine Rolle, in die man hineinwachsen, die man annehmen muss“, erklärt der Schützling von Trainer Eckhard Leue.

Und die große Aufgabe lässt zuweilen auch zweifeln: „Es gibt schon Momente, in denen man sich hinterfragt, ob man überhaupt die Fähigkeiten hat, im Einer vorne mitfahren zu können.“ Das Gold von Belgrad hat ihr gezeigt, dass die Fähigkeiten vorhanden sind. Und sie ergänzt: „Jetzt will ich es auch über die 500 Meter zeigen.“

Die Distanz verlangt ihr noch mehr ab. Sie ist eben die olympische und deshalb die wichtigere Strecke mit einem Starterfeld aus lauter Sprinterinnen. Und sie bedarf einer völlig anderen Renntaktik. „Du musst auf den ersten 250 Metern um dein Leben fahren, um nicht in der Welle zu stehen“, erklärt Krankemann. Um also überhaupt eine Chance zu haben. Und Krankemann „muss noch selbstbewusster an den Start gehen“, betont sie.

Ihre körperliche Stärke kann es bereits mit der Konkurrenz aufnehmen, es ist nur das mentale Moment, das ihr die Spitze noch voraus hat. Dazu benötigt sie eben noch Erfahrung. Nach der WM in Portugal ist sie in dieser Hinsicht in jedem Fall wieder etwas reicher.

Und vielleicht auch um eine Medaille, die erste bei einer Elite-WM. Die „Leseratte“ hat zu Hause „noch keinen Ego-Schrein“, sagt sie lachend. Einen festen Platz also, wo sie ihre Trophäen aufbewahrt. Sie ist nämlich erst umgezogen, und „mein Papa hat mir verboten, Löcher in die Wände zu bohren“, berichtet sie lachend. Auf diese Weise hat sie nämlich schon mal für einen Durchbruch gesorgt. Aber für Durchbrüche, auch sportlich, hat sie ja offensichtlich ein Faible.