Magdeburg l Als Tobias Schwarz am Sonntag auf den Hof des Volksstimme-Geländes in der Bahnhofstraße einbiegt, lächelt er über das ganze Gesicht. Seiner Familie, die an der Hausecke auf ihn wartet, wirft er einen Handkuss zu. Seine Bewegungen wirken fast mühelos, als er die letzten Meter bis zur Ziellinie läuft. Zu dem Zeitpunkt ist der 36-Jährige über 42 Kilometer gelaufen. Er hat einen Marathon absolviert. Seinen ersten unter Wettkampfbedingungen.

Schwarz ist einer von zehn Menschen, die an der „Mission Marathon“ von der Volksstimme und dem Klinikum Magdeburg teilgenommen haben. Bis Ende Februar haben sich über 60 Personen beworben, sich unter professioneller medizinischer Beobachtung auf den Magdeburg-Marathon vorzubereiten. Als die Laufveranstaltung, an der sonst etwa 5000 Menschen teilnehmen, abgesagt wurde, stand für die Organisatoren der Aktion „Mission Marathon“ schnell fest, dass sie den zehn Aktionsteilnehmern trotzdem die Möglichkeit bieten wollen, ihren Lauf zu verwirklichen. „Die Teilnehmer sollten für die Strapazen im Training ihren Lohn bekommen und unter Wettkampfbedingungen laufen dürfen“, so Sabine Zander vom Veranstaltungsmanagement.

Tobias Schwarz läuft Marathon

Angeboten wurden drei Distanzen: Um acht Uhr morgens begann Tobias Schwarz den Marathon, zwei Stunden später machten sich die Teilnehmer des Halbmarathons auf den Weg und um 11 Uhr war der Start für den Zehn-Kilometer-Lauf. Begleitet wurden die Läufer von freiwilligen Helfern auf Fahrrädern.

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Die Begleitung wurde von den Läufern als ganz wichtiges Element zum Durchhalten angesehen. „Wenn ich meine Begleitung nicht gehabt hätte, wäre ich zwischendurch bestimmt immer mal wieder gegangen“, berichtet Kerstin Borgfeld. Die 61-jährige Lehrerin ist die älteste Teilnehmerin und hatte sich für den Zehn-Kilometer-Lauf angemeldet. „Die letzten zwei Kilometer waren hart, aber das Ziel war es, durchzuhalten“, sagt sie.

Fahrrad-Begleiter wichtig

Erleichtert und stolz ist auch Torsten Becker, nachdem er den Halbmarathon bewältigt hat. Der 52-Jährige berichtet, dass er diese Distanz am Wettkampftag zum ersten Mal vollständig gelaufen ist. „Im Trainingsplan war nicht vorgesehen, dass ich die ganze Strecke vorher laufen soll.“ Auch er war dankbar für seinen Begleiter auf dem Fahrrad. Dank ihm sei er die Strecke nicht zu schnell angegangen und habe zudem noch Unterhaltung gehabt. „Wir haben die ganze Zeit erzählt“, berichtet er verschmitzt.

Mit Musik ist Volksstimme-Chefredakteur Alois Kösters gelaufen. Er hatte sich eine Playlist zusammengestellt, die langsam begann und mit AC/DC endete. „Ich wusste, wenn das Lied kommt, ist fast eine Stunde vorbei, und ich wollte innerhalb dieser Zeit im Ziel sein.“

Mediziner begleiten das Projekt

Gemeinsam hatten die Läufer, dass sie von Medizinern des Klinikums Magdeburg zu Beginn der Aktion untersucht wurden. Körperfett und Blutdruck wurden gemessen, die Sauerstoffsättigung wurde überprüft und kardiologische Untersuchungen gemacht. Michael Sudau, Oberarzt am Klinikum, hat die Teilnehmer begleitet. „Bei allen war eine gewisse Grundfitness vorhanden, deshalb hatte ich keine Zweifel, dass jemand seine Ziele nicht erreichen würde“, so der Mediziner.

Bei einer Abschlussveranstaltung sollen noch die physischen Veränderungen bei den Läufern dokumentiert werden. Wann das sein wird, ist allerdings wegen der Corona-Pandemie noch nicht sicher. Die Teilnehmer planen jedoch, das Training fortzusetzen und weiter zu laufen. So will Kerstin Borgfeld „ihren jetzigen Stand halten“. Marathonläufer Schwarz ist „stolz wie Bolle“ auf das Erreichte, weiß aber noch nicht, ob er beim nächsten Mal nicht einfach nur die Halbdistanz läuft.