Leipzig/Magdeburg l Im ersten Anlauf war die Reaktionszeit von Thomas Barthel mit 0,13 Sekunden „richtig Bombe“, sagte sein langjähriger Trainer Eik Ruddat. Doch der Versuch wurde wegen eines Fehlstarts zurückgepfiffen. Im zweiten Anlauf „ist er aus der Beschleunigungsphase deutlich besser in den fliegenden Abschnitt gekommen, der Übergang war aktiver und auch flüssiger“. 6,78 Sekunden standen am Sonnabend nach dem Vorlauf über 60 Meter bei den deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig für den Sprinter vom SC Magdeburg auf der Anzeigetafel. Saisonbestleistung. Nur für das Finale reichte es nicht.

Barthel wurde Dritter in seinem Rennen. Dennoch war er zufrieden. „Wir haben das Problem mit dem Streckenschritt gut gelöst“, resümierte er. Ruddat ergänzte: „Eine Mischung aus beiden Läufen hätte auch eine bessere Zeit bedeutet.“ Und blickte voraus: „Die Tendenz stimmt und macht Hoffnung auf den wichtigen Sommer.“ Wenn es nämlich um einen Staffelplatz bei der Weltmeisterschaft in Doha (Katar) geht.

Kranz zündet das Feuerwerk

Das geplante Feuerwerk hat der 19-jährige Barthel also nicht gezündet. Dafür fühlte sich vor 3700 Zuschauern in der Arena indes Kevin Kranz zuständig: Mit 6,56 Sekunden gewann er den Vorlauf und näherte sich damit dem deutschen Rekord von Julian Reus, der verletzt passen musste, bis auf vier Hundertstelsekunden. Im Finale siegte der 20-Jährige aus Wetzlar in 6,59 Sekunden. „Der Vorlauf war einfach mega“, jubelte Kranz. „Mit zwei Zeiten unter 6,60 Sekunden kann ich jetzt auch mit einem besseren Gefühl zur Hallen-EM fahren.“ Die Europameisterschaft wird am ersten März-Wochenende in Glasgow ausgetragen.

Und dorthin fahren auch zwei Damen vom SV Halle: Cindy Roleder über 60 Meter Hürden, Sara Gambetta im Kugelstoßen. Roleder musste sich im Finale am Sonnabend ihrer Dauerrivalin Pamela Dutkiewicz geschlagen geben. Mit 8,00 Sekunden blieb die 29-Jährige eine Zehntelsekunde hinter der Siegerin. „Es war ein spannendes Duell zwischen mir und Cindy“, sagte Dutkiewicz. „Und es war klar, dass eine von uns nach dem Rennen enttäuscht ist.“ Nicht Dutkiewicz: „Ich bin happy über den Sieg.“

Barthel stürzt zum Abschluss

Mit „happy“ ließ sich die Gefühlslage von Sara Gambetta nicht beschreiben. Sie wurde Dritte mit 17,90 Metern beim Sieg der überragenden Christina Schwanitz, die mit 19,54 Metern eine Weltjahresbestleistung aufstellte. Zumindest „bin ich zufrieden mit Platz drei“, sagte Gambetta. „Ich hatte mir keine Weite vorgenommen. Ich hatte viel Power in den Armen, nur mit den Beinen war ich nicht so schnell, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Das war bei Kons-tanze Klosterhalfen anders: Über 3000 Meter stellte sie mit 8:32,47 Minuten einen neuen deutschen Rekord auf – der einzige bei diesen Titelkämpfen.

Einen der letzten Auftritte am Sonntag hatte wiederum Barthel. Aber keinen schönen. Als zweiter Läufer in der 4x200-Meter-Staffel des SCM kam er nach einer halben Runde zu Fall und schied aus. Als Barthel als Führender hart einscherte vor Pascal Kirstges, berührte der Konkurrent ihn am Fuß. Dabei hätte er mit Jonas Bernhagen, Tim Scheschonk und Till Helbig gerne den Silberritt aus 2018 wiederholt. Die gute Nachricht: Es blieb bei Schürfwunden.