Schönebeck l Das Stadion an der Magdeburger Straße in Schönebeck war schon immer ein verlässlicher Partner, wenn es um große Weiten und persönliche Rekorde ging. Hier hat David Wrobel vor zwei Jahren seine bisherige Bestleistung mit 65,86 Metern erzielt, hier brachte er auch am Freitagabend beim nationalen Wurfmeeting die Zwei-Kilo-Scheibe auf einen Bestwert: jenen im Corona-Jahr 2020 nämlich. Der 29-Jährige vom SC Magdeburg warf den Diskus auf 64,24 Meter, setzte sich an die Spitze des deutschen Jahresrankings und hat vor den deutschen Meisterschaften in zwei Wochen in Braunschweig bereits ein Ziel erreicht: „Ich wollte als bester Deutscher zu den Titelkämpfen fahren, das habe ich geschafft“, sagte Wrobel.

Und trotzdem klang er etwas mürrisch am Telefon, als er seine Leistung einschätzte. Technisch lief es wieder nicht perfekt. Wie auch zwei Abende zuvor beim Werfermeeting in Magdeburg. „Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich meine Bauchmuskeln trainiert habe“, sagte er dort nach 63,15 Metern lächelnd. „Ich kann die Würfe wenigstens halten.“ Das freut sicher auch Trainer Armin Lemme: „Aber bei den Meisterschaften muss er noch mehr über die Technik kommen.“ Die hatten seine Schützlinge in den vergangenen Wochen verloren. „Wir werden jetzt an der Stabilität arbeiten“, blickte Wrobel auf die kommenden Einheiten vor den Titelkämpfen voraus.

Janssen wieder über 60 Meter

Die hat Henrik Janssen in Schönebeck zumindest im sechsten Versuch gezeigt. Mit 61,16 Metern erzielte er einen persönlichen Rekord, nachdem er sich in den vergangenen Wettkämpfen regelmäßig die Zähne ausgebissen hatte an der 60-Meter-Marke. So auch in Magdeburg, als er seine Leistung in den sechs Versuchen resümierte: „Das waren heute sechs Fehler.“ Bei mäßigem Wind, der günstig über das Stadion in Schönebeck wehte, „hätte es auch für ihn weiter gehen können“, so Lemme.

„Es sah erst gar nicht danach aus, dass es so gut enden würde“, erklärte indes Janssen. Denn nach den ersten beiden Versuchen unter 60 Meter folgten drei ungültige. „Aber im letzten Versuch habe ich es doch noch geschafft.“ Dennoch war er erneut nicht zufrieden mit seiner Technik, die er während des Wettkampfes umgestellt und deshalb die Bestweite getroffen hatte. „Trotzdem war es ärgerlich, weil sich die beiden Würfe zuvor besser angefühlt hatten, aber beide sind im Netz gelandet. Ich warte auf den Wettkampf, bei dem alles stimmt“, erklärte der 22-Jährige. Und der nächste Wettkampf steigt eben in Braunschweig.

Bestleistung im fünften Versuch

Völlig zufrieden war Jule Steuer: Für die Kugelstoßerin ist in der Drehstoßtechnik nach wie vor aller Anfang schwer, für ihre Versuche gibt es nach wie vor keine vorgegebene Schablone. Dass es nach der Umstellung dennoch weit für die 19-Jährige gehen kann, wurde in Schönebeck deutlich, als sie die Vier-Kilo-Kugel auf 15,49 Meter und damit persönliche Bestleistung stieß. Im Jahresranking belegt sie den siebten Platz, in der Qualifikationsliste für Braunschweig den elften Rang. Und nicht nur sie hat sich gefreut: Auch Bundestrainer Sven Lang belohnte Steuer mit einem anerkennenden Schulterklopfen und den Worten: „Sieht doch gut aus.“

Schon das Einstoßen hatte sich gut angefühlt. „Aber dann kamen die ersten beiden Versuche über 13 Meter. Ich dachte: ,Jule, was machst du hier‘“, berichtete sie. Erst nach dem dritten Stoß mit 14,57 „entspannte sich mein Puls“. Und im fünften kam die Bestweite.

Riecke Vierte der Rangliste

Nun hoffen Steuer und ihre Trainerin Teresa Wagner auf eine Mitteilung in dieser Woche, dass der SCM-Schützling in Braunschweig dabei ist. Denn in ihrer Disziplin sind dort nur die ersten zehn Athletinnen aus dem Qualiranking zugelassen. Aber das Corona-Jahr ist bekanntlich auch das Jahr der vielen Absagen. Von Wettkämpfen und von individuellen Starts.

Auf diese Nachricht muss Lea Riecke indes nicht mehr warten. Mit 6,44 Metern ist die Weitspringerin als aktuell Vierte der Qualifikationsliste sicher in Braunschweig dabei. Diese Weite erzielte sie am Freitag beim Sprungmeeting in Chemnitz. Nach fünf ungültigen Versuchen schaffte die 20-Jährige vom Mitteldeutschen Sportclub im sechsten und letzten Anlauf ihre Saisonbestleitung. „Ich habe ihr gesagt, sie soll sich auf die letzten vier Schritte konzentrieren, dieses Risiko ist sie eingegangen“, begründete ihr Vater und Trainer Hans-Ulrich Riecke den langen Anlauf zum Sieg in diesem Wettbewerb.

Risiko gehört auch auf dem Weg zum deutschen Meistertitel dazu. David Wrobel gehört nach den Absagen von Clubgefährte Martin Wierig und Olympiasieger Christoph Harting zu den Favoriten in Braunschweig. Sein größter Konkurrent ist indes Clemens Prüfer, den er in Schönebeck geschlagen hat. Bei den Frauen kann es indes eigentlich nur eine geben: Kristin Pudenz. Mit einer bewundernswerten Stabilität in allen Versuchen gewann die 27-Jährige aus Potsdam in Schönebeck mit 65,58 Metern – natürlich persönliche Bestleistung.