Magdeburg l Armin Lemme trug am Montag zum Training ein Shirt, das an das sehr glorreiche Jahr 2012 erinnerte. Damals, bei den Olympischen Spielen in London, erzielte sein Schützling Martin Wierig den sechsten Platz. „Das war einer meiner besten Tage“, sagt Lemme – als Wurftrainer vom SC Magdeburg.

Sechs Jahre später und einen Tag nach den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften kann ihn diese Erinnerung allerdings nicht aufmuntern. Im Gegenteil. Vier Athleten hatte Lemme in Nürnberg am Start: den Kugelstoßer Dennis Lewke als Vierter mit 19,32 Metern, die Diskuswerfer Martin Wierig als Vierter mit 63,72, David Wrobel als Fünfter mit 62,67 und Anna Rüh als Dritte mit 62,65 Metern. Alle vier verpassten das Ticket zu den Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August). Rüh und Wierig werden letztlich als Reserve auf Abruf bereitstehen. Lemmes Fazit zum Wochenende? „Das waren die schwersten Tage in meiner Trainerlaufbahn.“

Lemme ist 62 Jahre alt, seit 1998 ist er der Trainer der SCM-Werferriege. Er hat Erfolge mit seinen Schützlingen gefeiert, er hat Täler durchschritten. Für Letztere immer eine Erklärung zu finden, „das ist schwer“, sagt er. Auch diesmal. „Ich mache den Athleten nicht den Vorwurf, dass sie nicht alles gegeben haben.“ Und: „Als Trainer stehe ich natürlich auch in der Verantwortung. Klar habe ich dann auch Zweifel, überlege, was man hätte anders machen können. Aber es waren auch keine grundsätzlich schlechten Leistungen und erst recht keine totalen Reinfälle. Wenn man mit so wenigen Zentimetern an seinen Zielen scheitert, dann ist das einfach auch unser Pech – oder das Glück der anderen.“

Acht Zentimeter waren es bei Anna Rüh, Wierig fehlten 20 Zentimeter zur EM. „Bei Martin war ich schon enttäuscht“, sagt Lemme, „wie die technische Umsetzung rüberkam. Wenn seine Fehler nicht zum Tragen gekommen wären, hätte es auch mit Qualifikation geklappt.“ Wierig, 31 Jahre, weiß um die Enttäuschung seines Coaches. „Für ihn war es auch ein knallhartes Wochenende, er ist genauso betrübt wie wir.“

In der Natur des Armin Lemme liegt allerdings der Optimismus. „Eigentlich schaue ich immer nach vorn und nicht zurück“, erklärt der Coach. Deshalb: „Für mich ist das Ziel, die Athleten zum nächsten Höhepunkt zu führen.“ Wenn die Athleten es auch wollen. Und das wollen fast alle: „Ich würde es schlimm finden, wenn es nicht so wäre“, sagt Rüh. „Für mich ist er einer der besten Trainer in Deutschland, deshalb ist es klar, dass ich an seiner Seite bleibe. Wir haben es soweit durchgezogen und wir ziehen es auch weiter durch.“ Vorerst bis Tokio, Olympische Spiele 2020. Für Wrobel stellt sich die Trainerfrage ebenso wenig: „Da gibt es keine Diskussion.“

Nur Dennis Lewke hat sich anders entschieden. Er wechselt zur Trainingsgruppe von David Storl nach Leipzig. Ungewiss ist, ob er auch den Verein wechseln wird. Lemme legt dem 25-Jährigen keine Steine in den Weg: „Da habe ich überhaupt kein Problem mit, die Athleten sind alt genug. Sie müssen selbst entscheiden, was für sie besser ist.“