Magdeburg l Martin Wierig, das Zugpferd der Magdeburger Leichtathleten im vergangenen Olympiazyklus, steckt „zwischen Baum und Borke“. Der Zwei-Meter-Hüne, bereits seit 16 Jahren für den SCM auf Weitenjagd und mit mittlerweile 29 Lenzen eigentlich im besten Diskusalter, weiß nicht so recht, wie er das Olympiajahr 2016 bewerten soll.

„Es gab mit dem perfekten Saisoneinstand in Wiesbaden, wo ich mit 67,17 Metern gleich die Olympianorm abhaken und die zweitbeste Weite meiner Karriere erzielen konnte, super Höhen, aber mit Rang 14 bei der EM und dem verpassten Olympia-Ticket auch tiefe Tiefen“, lautet das Resümee des Magdeburgers. Und Wierig macht kein Geheimnis daraus, dass er „erst einmal am Boden zerstört war“, weil er bereits 2015 bei der WM gepatzt hatte (Vorkampf-Aus) und Rio, wofür er letztlich vier Jahre lang hart trainiert hatte, nur vom Fernseher aus miterleben durfte.

„Aber das ist nun mal das Leid eines Diskuswerfers in Deutschland: Die Konkurrenz ist extrem stark. Dass jemand mit 67,60 Metern Saisonbestleistung bei Olympia nicht dabei ist, gibt es nirgendwo anders auf der Welt“, meint Wierig, der das Schicksal mit seiner SCM-Trainings- und inzwischen auch Lebensgefährtin Anna Rüh teilte. Die 23-Jährige hatte als viertbeste Deutsche (63,42 Meter) das Rio-Ticket verpasst.

Zwar sagt Wierigs Bauchgefühl, „dass ich 2016 trotz allem technisch und auch mental einen Schritt nach vorn gemacht habe“, aber er wisse natürlich auch, dass im Leistungssport vor allem nach den Ergebnissen bei den Top-Ereignissen wie EM, WM oder Olympia abgerechnet wird. „Mir war klar, dass ich Abstriche machen muss. Dennoch waren es keine einfachen Gespräche mit dem Verein“, gesteht der Schützling von Trainer Armin Lemme mit Verweis auf seine Abstufung vom A- in den B-Kader sowie die veränderten Vertragskonditionen beim SCM. Das Einzige, woran er jedoch nicht rütteln lassen wollte, ist sein Trainer. „Ich bin überzeugt, Armin ist der richtige Mann an meiner Seite, um noch einmal neu anzugreifen, die Quantität von weiten Würfen anzuheben und die nächsten Etappenziele zu erreichen.“ Die da wären? „Die WM 2017 in London, die Heim-EM 2018 in Berlin und, wenn ich gesund bleibe, Olympia 2020 in Tokio.“

Da macht es sich doch prima, dass neben Wierig und Rüh auch deren Trainingsgruppen-Mitglieder, Kugelstoßer Dennis Lewke (23) und Diskuswerfer David Wrobel (25), die gleiche Marschroute haben. Bei beiden Lemme-Schützlingen ging es im Jahr 2016 mit neuen persönlichen Bestleistungen (19,47 Meter/63,51 Meter) spürbar aufwärts. Dennoch bedauern sie unisono, „dass leider die Ausreißer nach oben ausblieben“.

2017 wollen auch sie es richtig krachen lassen: Lewke peilt zunächst die 20-Meter-Marke an, Wrobel will endlich die 65-Meter-Marke knacken.