Doha/Magdeburg l  Man möchte sich gerne von der offensichtlichen Gelassenheit des Armin Lemme eine Scheibe abschneiden. Sein Schützling Martin Wierig hatte gerade den zweiten Versuch verrissen, als er ihm noch einmal beruhigend zunickte. Als wollte er ihm sagen: „Ist ja nichts passiert.“ Lemme, 63 Jahre, Trainer der Diskuswerfer vom SC Magdeburg, wird gestern Abend womöglich trotzdem mit erhöhtem Puls auf der Tribüne des Khalifa International Stadiums von Doha (Katar) gesessen haben. Immerhin lag Wierig mit 64,31 Metern nach dem ersten Versuch auf dem sechsten Platz im Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Seinem zweiten Finale bei fünf WM-Teilnahmen.

Bei zwölf Startern erreichte er nach drei Würfen den Endkampf der besten acht Athleten – und in diesem erreichte er nach drei weiteren Würfen letztlich den achten Platz. Mit 64,98 Metern. „Für mich war es eine sehr gute Leistung", sagte Wierig im ZDF und ergänzte: "Ich musste alles auf eine Karte setzen, um in den Endkampf zu kommen. Das hat gleich im ersten Versuch geklappt."

Mit seinem besten Ergebnis ließ er Titelverteidiger Andrius Gudzius aus Litauen oder den starken Norweger Ola Stunes Isdene hinter sich. Es gewann Daniel Stahl (Schweden/67,59) vor Fredrick Dacres (Jamaika/66,94) und Lukas Weißhaidinger (Österreich/66,82).

Wierig war glücklich, obschon ihm nicht jeder Wurf gelingen wollte. Beim zweiten betrat er die Ringkante. Den vierten und fünften Wurf zog der 32-Jährige zu sehr nach links. Aber letztlich wurde er seinem Ruf in dieser Saison gerecht, durchaus Mann des letzten Versuches zu sein. Denn in diesem erzielte Wierig seine größte Weite, riss die Arme hoch in den Abendhimmel über dem Persischen Golf und jubelte. Sechs Jahre nach Platz vier in Moskau hat sich Wierig in der Weltspitze zurückgemeldet. Er selbst urteilte: „Nach einer langen Durststrecke tat dieser Erfolg wirklich gut.“