Oschersleben l Nach ihrem zweiten Einsatz stärkte sich Lucy Glöckner mit einem Shake aus Trauben und Wasser, dazu gab es die gefühlt längste Karotte der Welt. Die einzige Frau im Feld beim Acht-Stunden-Rennen am Sonnabend in der Motorsport Arena Oschersleben hatte gerade grandiose 41 Runden auf der BMW S1000 RR vom Team Völpker NRT48 Schubert Motors gedreht und den Abstand zur Konkurrenz gehalten.

Die 26-Jährige (Krumhermersdorf/Sachsen), die 2005 ihr erstes Rennen bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft in der Klasse bis 125 ccm bestritt, hatte aber einen ganz anderen Eindruck gewonnen als die 12.500 Zuschauer: „Ich bin absolut nicht zufrieden. Ich hätte noch mehr pushen können, aber der Reifen hat es nicht ganz hergegeben, was ich wollte. Das kann auch damit zu tun haben, dass es inzwischen kälter geworden ist“, erklärte sie um 20.10 Uhr.

Bremssattel klemmt

Trotzdem ist es bei diesem dritten Lauf zur Langstrecken-Weltmeisterschaft und im Rahmen der 20. German Speedweek ein zweiter Platz geworden für die Völpker. Und damit hatte sich der Wunsch von Teamchef Ingo Nowaczyk endlich erfüllt. Zum ersten Mal in einem WM-Lauf in Oschersleben durfte sich der Lokalmatador, zu dem außerdem die Piloten Stefan Kerschbaumer (27) und Jan Bühn (26) gehörten, auf das Podest stellen und feiern. Dass es nicht zum Sieg in der Superstock-Klasse reichte, hatte einen Grund, der gleich 20 Sekunden dauerte: Beim zweiten Reifenwechsel wollte der Bremssattel nicht so, wie es die Mechaniker wollten. Und diese Zeit fehlte dem Team letztlich zum Sieg, den sich Moto Ain CRT aus Frankreich mit 313 Runden sicherte. Nach Platz fünf beim Bol d‘Or und dem Ausfall bei 24 Stunden von Le Mans (Frankreich) belegen die Völpker in der Gesamtwertung Platz vier. Bei 25 Punkten ist der Rückstand aber zu groß, um beim letzten Superstock-Rennen auf dem Slovakia-Ring (23./24. Juni) auf den Medaillenrang zu rauschen.

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Dieser Bremssattel hatte damit der Strategie von Nowaczyk einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Motorrad-Meister war nicht auf Speed, sondern auf Sicherheit mit härteren und länger fahrbaren Reifen gegangen. „Das kostet uns zwar eine Sekunde pro Runde“, erklärte der 45-Jährige. Aber mit letztlich zwei Stopps weniger als die Konkurrenz, so seine Rechnung, würde sich der Rückstand ausgleichen. „Es läuft, wie wir uns es erhofft haben“, sagte Nowaczyk um 19 Uhr. „Das Podium ist in Sichtweite, aber es wird eng.“ Um 22.30 Uhr betraten Glöckner, Kerschbaumer und Bühn freudestrahlend den Balkon zur Siegerehrung.

Und diese macht Lust auf die neue Saison, die im September beginnt. „Die Verhandlungen mit unseren Partnern laufen“, sagte Nowaczyk zu den Vorbereitungen. Lucy Glöckner freut sich jetzt schon darauf: „Mein Traum war es immer, in einem 24-Stunden-Rennen durchzufahren.“ In Le Mans 2018 hat sie erneut die Chance dazu.