Oschersleben l Ralph Bohnhorst hat den besten Blick auf die Rennstrecke. Sein Schreibtisch im Büro der Motorsport Arena steht direkt am großen Fenster. Er kann die Motoren hören und die Boliden sehen. Und er kann mitfiebern. Wie er am 28. August 2005 mitgefiebert hat. Alessandro Zanardi war damals beim Lauf zur Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC als Erster über die Ziellinie der 3,667 Kilometer langen Rennstrecke gefahren. Der Italiener hatte vier Jahre zuvor bei einem Horrorcrash auf dem Eurospeedway in der Lausitz beide Beine verloren, 2003 gab er sein Comeback in der WTCC und in einem eigens für ihn umgebauten BMW. Und wiederum zwei Jahre später, an jenem 28. August, feierte er seinen ersten Sieg. „Das war für mich der emotionalste Moment in den 20 Jahren Motorsport Arena“, sagt Bohnhorst.

20 Jahre ist es also her, als die Arena ihre Eröffnung feierte, damals, am 25. Juli noch als Motopark Oschersleben. 58 Millionen Euro wurden in den Bau der Anlage investiert. Große Serien wurden an die nördlichste Rennstrecke Deutschlands geholt. Auch eine Insolvenz erlebte die privatwirtschaftlich geführte Arena Mitte der 2000er Jahre, welche den Betrieb der Anlage aber nie gefährdete. Nicht das Auto- und das Motoradtraining, das die Arena anbietet, nicht die Veranstaltungen, die zigtausende jährlich nach Oschersleben locken.

Am Wochenende soll letztere Aufgabe die Tourenwagen-Elite der TCR international bei ihrem einzigen Deutschland-Lauf übernehmen, sie, ihr deutscher Ableger ADAC TCR Germany, die Formel 4 – und die Ostrocker von „City“, die am Samstagabend ein Geburtstagskonzert geben. 10.000 bis 15.000 Zuschauer erwartet Bohnhorst zum gesamten Event.

Weitere Serien im Blick

Der Braunschweiger ist seit Oktober 2016 einer der drei Geschäftsführer in der Arena. Er wirbt: „Die TCR ist im Kommen.“ Das lässt sich zum einen an den Teilnehmerzahlen ablesen. Insgesamt 43 Boliden der Hersteller Alfa Romeo, Audi, Honda, Kia, Opel, Seat und Volkswagen gehen allein bei der TCR Germany an den Start. Allerdings keine Werksteams. „Das ist die WM für Privatfahrer“, so Bohnhorst. Dort wird nicht über jede Beule gejammert, die zwangsläufig bei kleinen Kollisionen entsteht, dort sind die Wagen aus Blech, dort wird noch echtes Racing ohne Befehle über Funk geboten. Von Männern, auch von Frauen: So starten in der TCR Germany die Schweizerin Jasmin Preisig und die Polin Gosia Rdest, beide erst 24 Jahre jung.

Diese Serie werden die Arena-Fans also auch in Zukunft sehen. Und für die Zukunft wünscht sich Bohnhorst, „dass es geschäftlich so weiterläuft wie bisher“. Der Gewinn vor Steuern liegt jährlich bei etwa einer Million Euro. „Sportlich“, sagt der 53-Jährige, „haben wir eigentlich alles, was wir uns wünschen.“ Der einzige deutsche Steward in der Rennleitung der MotoGP hat dennoch einige Serien im Blick, die er künftig im Programm der Motorsport Arena installieren möchte.

Dazu gehört die British Superbike, die in ihrer Bedeutung gleich der MotoGP folgt. Und die in England so populär ist, dass „dort zu den Rennen 33 000 Zuschauer kommen“, berichtet Bohnhorst. Zu Läufen in der Superbike-WM kommen weitaus weniger, aber die nach Oschersleben zu holen, „ist für uns finanziell nicht machbar“. Das Deutsche Tourenwagen-Masters wäre es, die Rechte daran hält der Verein ITR mit Hauptsitz in Stuttgart. Der letzte DTM-Lauf in der Arena liegt zwei Jahre zurück. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Bohnhorst zur möglichen Rückkehr der Serie im nächsten Jahr.

Alles Zukunftsmusik. Zunächst wird gefeiert, mit TCR, mit Formel 4, mit „City“. Man könnte meinen, Bohnhorst hätte sich zum runden Geburtstag die Band ausgesucht, die vor 40 Jahren passend zu seinem Arena-Platz ihren größten Hit „Am Fenster“ rausbrachte. Aber das muss er entscheidend abwiegeln: „Ich bin ein absoluter Kulturbanause, ich hatte in meinem Leben erst eine CD, aber ich weiß nicht mehr, wo sie liegt. Wenn es also um Musik geht, bin ich aus dem Rennen.“ Wenn es aber um Pferdestärken geht, ist er mittendrin.