35 Athleten im Team Tokio Sachsen-Anhalt

Boxen

Ornella Wahner (SKC Tabea)

Handball

Matthias Musche (SCM)

Judo

Luise Malzahn (SV Halle)

Kanurennsport

Anja Adler, Ivo Kilian (beide Hallescher KC 94), Jasmin Fritz, Julia Hergert, Nina Krankemann, Michael Müller, Yul Oeltze (alle SCM)

Kanuslalom

Lisa Fritsche (Böllberger SV Halle)

Leichtathletik

Rico Freimuth, Sara Gambetta, Nadine Müller, Cindy Roleder (alle SV Halle), Lea-Jasmin Riecke (Mitteldeutscher SC), Anna Rüh, Marie Brämer-Skowronek, Martin Wierig (alle SCM)

Radsport

Rebecca Berg (congrav new sports Halle), Andrea Eskau (USC Magdeburg)

Ringen

Erik Thiele (KAV Mansfeld)

Rudern

Julia Lier (SV Halle), Maximilian Planer (Bernburger RC), Max Appel, Philipp Syring (beide SCM)

Schwimmen

Laura Riedemann (SV Halle), Franziska Hentke, Finnia Wunram, Aliena Schmidtke, Rob Muffels, Florian Wellbrock, Marius Zobel (alle SCM)

Turnen

Nick Klessing (SV Halle)

Wasserspringen

Florian Fandel (SV Halle)

Magdeburg l Die Entschuldigung eines Athleten, er hätte sich auf dem Weg zur Siegerehrung in Tokio verlaufen, wird Reiner Haseloff nicht gelten lassen. Immerhin hatte der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts für jeden der 35 Sportler – 20 Frauen, 15 Männer –, die ins Landesteam für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Japans Hauptstadt berufen wurden, einen Stadtführer mitgebracht.

„Ich hoffe, dass es Ihnen gelingt, Ihre Leistung punktgenau abzurufen“, sagte Haseloff am Montagabend im Landesfunkhaus in Magdeburg. Zumindest versprach Ruderin Julia Lier aus Halle: „Die Berufung ist eine große Motivation für uns, jetzt geht es mit Vollgas in Richtung Tokio.“ Es sind noch 617 Tage bis zur Eröffnung.

Riecke mit 18 Jahren die Jüngste

Mitten im Pulk der erfahrener Athleten fand sich auch Lea-Jasmin Riecke wieder. „Das war schon überraschend“, erklärte die 18-Jährige zu ihrer Nominierung. Die U-20-Weltmeisterin im Weitsprung könnte ja noch ein weiteres Jahr in jener Alterklasse antreten. „Ein bisschen hatte ich auch auf einen Start in Tokio spekuliert“, gestand sie.

Statt mit dem internationalen Nachwuchs wird sie sich zunächst mit der nationalen Elite messen. Schon bei den Hallenmeisterschaften im Februar in Leipzig „möchte ich angreifen und schnell den Anschluss an den Erwachsenenbereich finden“, sagte Riecke. Ihre Bestleistung im Freien steht bei 6,51 Metern, mit ihrem Trainer und Vater Hans-Ulrich hat sie sich 6,70 Meter zum Ziel gesetzt fürs nächste Jahr, in dem sie zugleich ihr Abitur ablegen wird.

Die Norm für die WM in Doha wird vermutlich bei 6,65 Meter liegen. Die Nominierungsrichtlinien hat der Deutsche Leichtathletikverband noch nicht veröffentlicht. Aus gutem Grund. Erst am vergangenen Wochenende legte der Weltverband IAAF zumindest für 2019 seinen Plan von der Ranglisten-Qualifikation ad acta. Statt über ein Punktesystem, über das die besten Athleten der jeweiligen Disziplinen nach Doha eingeladen werden, geht es wieder traditionell über Normen. „Das muss man einfach hinnehmen und sich auf seine Leistung fokussieren, damit es bei der Nominierung letztlich keine Fragen gibt“, sagte Martin Wierig vom SCM.

Wierigs Traum

Der 31-jährige Diskus-Hüne ist überhaupt „dankbar, dass ich im Team dabei sein darf“, erklärte er. Zumal sein Verein ihn kürzlich nur mit einem Ein-Jahres-Vertrag ausgestattet hatte. „Jetzt wollen wir erfolgreich die WM angehen“, betonte Wierig. „Wir haben einen guten Plan. Und es ist ein Traum, noch einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen“, sagte der Sechste der Sommerspiele 2012.

Für Rico Freimuth wären es in Tokio die dritten Spiele. Und der Zehnkämpfer vom SV Halle blickte voraus: „Wenn ich da nicht unter die besten zehn komme, kann ich meine Karriere beenden.“ Der 30-Jährige, WM-Zweiter 2017, hatte sich in diesem Jahr vorzeitig aus der Saison verabschiedet. Er brach den Wettkampf in Götzis im Mai ab, begründete dies damals mit „mentaler Müdigkeit“.

Freimuth erklärte: „Das war aber nichts Weltbewegendes, ich habe mich danach einfach auf mich konzentriert, viele private Sachen gemacht.“ Im Oktober ist er wieder ins Training zurückgekehrt. Drei Monate früher als in den vergangenen Jahren.

Der Beste setzt sich durch

Inzwischen war er im bulgarischen Belmeken im ersten Höhentrainingslager. Im Dezember geht es wie auch für Hürdensprinterin Cindy Roleder für drei Wochen nach Stellenbosch (Südafrika). Roleder hatte bei der EM in Berlin nach verletzungsbedingter Leidenszeit Bronze gewonnen. „Das hat mich ermutigt, weiterzumachen“, sagte die 29-Jährige, die im September geheiratet hat. „Und die Olympiamedaille ist die einzige, die mir noch fehlt.“

Andreas Silbersack, Chef des Landessportbundes, ist optimistisch, dass es mehr Athleten als 2016 zu den Spielen schaffen werden. In Rio waren 14 aus Sachsen-Anhalt am Start. „Ich sehe gute Ansätze, dass wir die Zahl steigern können“, sagte er mit Verweis auf viele Erfolge in den vergangenen Jahren. Die Unterstützung des Landes ist den Athleten jedenfalls gewiss. Eine sechsstellige Summe steht für die Finanzierung von Trainingslagern bereit.

Haseloff versprach: „Ganz Sachsen-Anhalt fiebert mit den Sportlern mit.“ Bis zur Siegerehrung in Tokio. Den Ort kann sich jeder im Stadtführer schon mal ankreuzen.