Expertentipp von ...

... Marcus Schwarzrock Chefbundestrainer Rudern (Quelle: www.rudern.de):

„Im letzten Jahr hat uns diese junge Mannschaft bei der WM mit dem fünften Platz positiv überrascht. Der Vierer mit Felix Wimberger, Maximilian Planer und Maximilian Korge wurde in diesem Jahr durch Anton Braun verstärkt. Das Leistungsniveau in dieser Bootsklasse ist sehr hoch. Vor allem mit Großbritannien, Australien und den amtierenden Weltmeistern aus Italien haben wir Mannschaften auf absolutem Weltniveau. Gelingt es unserem Boot durch mannschaftliche Geschlossenheit und ihre beeindruckende kämpferische Stärke, das Finale zu erreichen, wäre das eine tolle Leistung.“

Rio de Janeiro l Drei Sekunden Vorsprung hatte der Leichtgewichtsvierer des Deutschen Ruderverbandes (DRV) am Start des Relationstests in Ratzeburg, drei Sekunden vor den schweren Jungs im Vierer ohne Steuermann. Es war die Generalprobe über die olympischen 2000 Meter, die am vorletzten Juli-Sonnabend im Trainingslager ausgetragen wurde. „Bis zur Hälfte des Rennens waren wir auch auf gleicher Höhe“, berichtete Maximilian Planer. „Aber dann sind wir auseinandergefallen.“ Und die Leichten hatten gewonnen.

Der Bernburger wäre gerne mit einem besseren Gefühl nach Rio, zu seinen ersten Sommerspielen, gefahren. Zumal er ein besseres Gefühl in den Wochen zuvor gesammelt hatte. Nach dem ersten Wettkampf, der Weltcup Ende Mai in Luzern, den er mit Anton Braun (Berlin), Felix Wimberger (Passau) und Maximilian Korge (Berlin) bestritten hatte, stiegen die Vier auch ins gemeinsame intensive Training ein – erst in Völkermarkt (Österreich), dann in Ratzeburg. Und bis zum Relationsrennen gegen den leichten Vierer hatte die Arbeit gefruchtet: „Zum Ende des Trainingslagers in Ratzeburg hatte ich das Gefühl, wir haben einen Schritt nach vorn gemacht“, sagte Planer. „Nur die Generalprobe haben wir eben vermasselt.“

Das ändert nun nichts daran, dass sich in der Lagune Rodrigo Planers Traum von Olympia erfüllt. Seine Eltern und seine Schwester haben ihn dorthin begleitet. Und auch Planer hatte bereits mit der ersten Anprobe des deutschen Olympia-Outfits endgültig gespürt, dass es nun nach Rio geht. „Da habe ich mich zum ersten Mal als Olympionike gefühlt“, sagte der 25-Jährige. An diesem Sonntag bestreitet er seinen Vorlauf (17.00 Uhr/MESZ). Und sollte alles nach Wunsch laufen für Planer und Co., erreichen sie das Finale am 12. August.

Dabei gilt es nicht nur, die Konkurrenz zu beachten: Noch in Ratzeburg haben die Ruderer eine Hygiene-Einweisung erhalten. Das Wasser in der Lagune ist „voll von Fäkalien“, berichtete Planer. Deshalb gibt es folgende Regel: „Wir sollen nach dem Training oder Wettkampf sofort die Hände und den Mund desinfizieren, um nicht erst in die Gefahr eines Magen-Darm-Infekts zu geraten.“ Panik schiebt ob der Bedingungen allerdings niemand, versicherte er.

Panik ist auch im Rennen nicht nötig. „Wir haben nicht den Druck wie der Achter oder der Doppelvierer, wir können überraschen“, weiß Planer. Im vergangenen Jahr hat der Vierer bei der Weltmeisterschaft Platz fünf belegt. Die Favoriten im Feld der 13 Boote sind erneut die Briten und die Australier, die bereits in London 2012 Gold und Silber gewannen, sowie die Italiener (Weltmeister 2015), die bei den vergangenen beiden Weltcups in Poznan (Polen) und Luzern den besten Eindruck hinterließen. „Vieles wird auf die Tagesform ankommen“, betonte Planer. „Unser Traum ist es, unter die besten Sechs zu kommen.“