Magdeburg l Franziska Hentke erzählt sich in einen Rausch, derart begeistert ist sie von ihrem fast dreiwöchigen November-Aufenthalt in Tokio, der japanischen Hauptstadt, der Heimstätte der Olympischen Spiele 2020. Sie zählte in einem Fluss die Impressionen von ihrer Wettkampfreise auf: „Am meisten hat mich beeindruckt, wie dort alles organisiert, strukturiert, auf die Minute getaktet ist. Wie höflich und respektvoll die Menschen miteinander umgehen. Wie sie sich zur Begrüßung immer voreinander verbeugen, ob jung oder alt, ob dünn oder dick. Mir gefällt die ganze Mentalität der Japaner“, sagt die 29-Jährige vom SCM.

Zur Beruhigung ihrer Familie und ihrer Trainingsgruppe: Hentke wird trotzdem keine japanische Staatsbürgerschaft beantragen. Zu vermuten wäre es gewesen nach ihrem Referat. „Es war ein berauschendes Fest“, sagt Hentke, „und ich war traurig, als es vorbei war.“

Nicht etwa, weil sie sich mit Händen und Füßen und per Handy-Übersetzer verständigen musste. Aus ihrer dortigen Trainingsgruppe waren nur Coach Norimasa Hirai sowie zwei Athleten der englischen Sprache mächtig. Aber schon allein wegen der Trainingsbedingungen. „Ich hatte dort eine Bahn für mich“, berichtet Hentke.

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Schöner "Schnickschnack"

Sie schlief, aß, saunierte und entspannte im National Training Center, nur drei Minuten von der Toyo Universität entfernt. Dort wiederum absolvierte sie im 50-Meter-Becken mit acht Bahnen ihre Einheiten.

Dieses Training Center bot Hentke „jeden Schnickschnack“ – schönen und in jeglicher Hinsicht qualitativ hochwertigen. „Das Essen war dort besser als außerhalb in der Stadt“, schwärmt Hentke. „Es gab wirklich nichts, was mir nicht geschmeckt hat“, ergänzt sie zu den kulinarischen Köstlichkeiten. Reis, Fisch, Pasta, Fleisch. Alles gaumengerecht zubereitet für den SCM-„Schmetterling“.

Wenn man es nicht ganz so streng nimmt, kann man in Tokio überall vom Boden essen. „So sauber und ordentlich ist es“, sagt Hentke. Und zieht einen weiteren Vergleich. „In Berlin will man nur schnell raus aus dem U-Bahn-Tunnel.“ In Tokio kann man den Aufenthalt sogar genießen.

Schnelles Wasser

Und fühlt sich sicher, auch auf Solotour in der Metropole: „So sicher habe ich mich in keiner Stadt bislang gefühlt.“ Auch nicht in Rio, bei den Sommerspielen 2016. „Dort hat es organisatorisch gehapert, da war es nirgendwo sonderlich sauber, und alles war längst nicht fertig“, erinnert sich Hentke an ihre ersten Spiele, die sie mit Platz elf über 200 Meter Schmetterling beendet hatte.

In Tokio zuletzt schwamm sie in 2:06,50 Minuten zur Jahresbestzeit und auf Rang drei der Weltrangliste 2018. Schnelles Wasser fließt in Japan also auch.

Lust auf Sommerspiele

Hentke war zum vierten Mal in der Heimat für zehn Millionen Menschen, zehneinhalb Stunden von Frankfurt/Main ist sie dorthin geflogen, elfeinhalb Stunden dauerte die Rückreise nach München. Aber zum ersten Mal hat sie die Stadt auch gesehen – und das olympische Schwimmcenter, das Ende 2019 fertig werden soll, in dem es im April 2020 den ersten Wettbewerb geben wird. Allein das Gerüst, ganz in der japanischen Tempel-Tradition errichtet, macht Lust auf die Spiele, wenngleich die Athleten des Deutschen Schwimmverbandes zur unmittelbaren Vorbereitung nicht in Tokio weilen werden. Sondern in Kumamoto.

Die Partnerstadt Heidelbergs liegt zirka 1000 Kilometer oder eineinhalb Flugstunden südwestlich von Tokio. Hentke gefällt dieser Abstand: „Es ist gut, wenn du nicht zu früh in Tokio bist, sonst geht dir der Punch verloren.“ Soll heißen: Die Spiele sollen bis zum Zielanschlag etwas Besonderes und keine Routine werden.

Dass sie etwas Besonderes werden, daran hat Hentke keinen Zweifel: „Und deshalb war es auch immer mein Anspruch, in Tokio dabei zu sein: Weil es richtig tolle Sommerspiele werden.“