Magdeburg l Über acht Berge wird Marie Brämer-Skowronek in ihrem Italien-Urlaub nicht gehen, acht Berge muss sie auch auf ihrem Weg zu den Paralympics 2020 nicht bezwingen. „Acht Berge“ ist aber ein schöner Roman von Paolo Cognetti, der die Geschichte von zwei Männern und ihrer Liebe zur Heimat Italien erzählt. Und den Brämer-Skowronek gerade liest. Bleiben oder gehen ist die Frage aller Fragen, die im Buch gestellt wird. Die 27-Jährige hatte sich diese einst mit Gehen, aber letztlich auch mit Rückkehr beantwortet.

Vor eineinhalb Jahren hat die Parasportlerin vom SC Magdeburg eine neue sportliche Heimat gefunden. Sie ist damals zurückgekehrt aus Herford, wo sie zwischenzeitlich ihr Glück gesucht hatte. Das hat die gebürtige Wolmirstädterin in mehr als zwei Jahren in Nordrhein-Westfalen aber nicht gefunden. Jedes Großevent musste ohne Brämer-Skrowonek auskommen. Bis 2018. Bis zur Europameisterschaft in Berlin, für die sie sich unter Trainerin Theresa Wagner (27) qualifiziert hatte. „Es war ein schönes Gefühl, nach vier Jahren wieder bei einem großen Event dabei zu sein“, sagt die Athletin. „Man hätte sich schon mehr Zuschauer gewünscht, aber ich konnte mich nicht beschweren: Mein Fanclub war dabei, meine Freunde, meine Familie. Das war schön.“

Dieses Gefühl, wieder auf der großen Bühne zu stehen, möchte sie nun mitnehmen – erst zur Weltmeisterschaft 2019 in Doha, dann zu den Paralympics in Tokio. Es wären ihre zweiten Spiele nach London 2012, wo sie Silber im Speerwerfen gewonnen hatte. Trainerin Wagner ist optimistisch: „Das kriegen wir hin.“ Nur in welcher Disziplin sie das schaffen wollen, das ist die nächste Frage aller Fragen. Die Antwortmöglichkeiten lauten: a) Speerwurf, b) Kugelstoßen und c) beides.

Wagner hat da ein klares Motto: „Der Athlet muss sich entscheiden, ob er in zwei Disziplinen teilnehmen oder in einer richtig gut sein will.“ Brämer-Skowronek ist bei der EM in zwei Disziplinen gestartet. Sie wurde Vierte im Speerwerfen mit 16,11 Metern. „Das war ärgerlich, weil mir zu Bronze nur elf Zentimeter gefehlt haben. Das müsste ich eigentlich locker werfen“, erklärt sie.

Ihre persönliche Bestleistung steht ja bei 21,70 Metern, aber die stammt aus der Zeit, als sie in ihrer Schadensklasse F34 noch halbstehend werfen durfte. „Das ist seit zwei Jahren nicht mehr möglich“, berichtet Brämer-Skowronek, die aufgrund einer spastischen Lähmung auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Die Umstellung auf die Sitzposition fällt mir beim Kugelstoßen leichter.“

In dieser Disziplin hat sie Silber gewonnen. Mit 6,93 Metern (Bestleistung: 7,25). „Im Training merkt man, dass wir einen riesigen Sprung gemacht haben“, sagt ihre Trainerin: „Aber es braucht Zeit, das bei internationalen Meisterschaften umzusetzen.“ Oder Brämer-Skowronek konzentriert sich nur auf eine Disziplin. Wagner: „Diese Entscheidung überlasse ich dem Athleten.“

„Acht Berge“ und einen Italien-Urlaub später wird Brämer-Skowronek womöglich die Lösung gefunden haben.