Sommerspiele in Tokio

Philipp Weber: Regisseur im Fokus

SCM-Rückkehrer Philipp Weber hat sich in vier Jahren in der Handball-Nationalmannschaft seinen Status erarbeitet. Der Regisseur übernimmt nun auch in Tokio Verantwortung. „Wir wissen alle, worauf es ankommt“, sagt er.

Von Daniel Hübner
Philipp Weber in der algerischen Zange: Beim letzten Test vor Olympia markierte der 28-Jährige fünf Treffer. Doch seine Hauptaufgabe wird in Tokio sein, seine Mitspieler für den Torerfolg in Szene zu setzen.
Philipp Weber in der algerischen Zange: Beim letzten Test vor Olympia markierte der 28-Jährige fünf Treffer. Doch seine Hauptaufgabe wird in Tokio sein, seine Mitspieler für den Torerfolg in Szene zu setzen. Foto: dpa

Tokushima/Magdeburg - Es wurde Zeit. Erst für den letzten Feinschliff im Camp in Tokushima, 535 Kilometer von Tokio entfernt. Dann für Tokio selbst, wo die deutsche Handball-Nationalmannschaft gestern ins Olympische Dorf eingezogen ist. Es wurde Zeit, diesen Traum auch zu leben. Den Traum vom Spiel bei Olympischen Spielen. Philipp Weber hat ihn sich schon mit der Teilnahme erfüllt. Als Leistungsträger der deutschen Nationalmannschaft. Morgen um 9.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit erfolgt der Anwurf zum ersten Vorrundenspiel der Gruppe A gegen Spanien. In der Kokuritsu Yoyogi Kyogijo, der Nationalhalle, coronabedingt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Zehn Tage zuvor ist Weber mit der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) nach Japan aufgebrochen. Er hat sich keine Vorstellungen davon gemacht, was ihn dort erwartet. Unter welchen Bedingungen der neue Regisseur des SC Magdeburg, der nach acht Jahren bei DHfK Leipzig und HSG Wetzlar zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist, in Tokio trainieren, spielen, leben wird. „Ich habe mir ganz bewusst keine Gedanken gemacht, um am Ende nicht enttäuscht zu sein. Ich möchte mich lieber positiv überraschen lassen“, sagt der 28-Jährige, der zugleich grünes Licht für seinen Einsatz im olympischen Turnier gegeben hat.

Nachdem ihn Bundestrainer Alfred Gislason noch beim ersten Teil der Generalprobe vor der Abreise nach Tokio geschont hatte, beim 36:26-Sieg gegen Brasilien, kam er im zweiten Teil gegen Ägypten (29:27) wieder zum Einsatz – und war mit fünf Treffern der erfolgreichste Werfer seiner Mannschaft. Die zuvor leicht lädierte Wade hat die letzte Überprüfung erfolgreich überstanden. „Es ist alles gut“, bestätigt Weber.

Die sportlichen Tests waren indes gut für das Selbstvertrauen der Mannschaft, denn nicht zuletzt Ägypten „zählt zu den acht Mitfavoriten auf Gold“, ist sich Weber sicher. Acht von zwölf Teams. „Wir haben in diesem Spiel 50, 55 Minuten lang den Ball sehr gut laufen lassen, waren sehr fokussiert.“

Acht Favoriten

Und im Grunde genommen hat die Mannschaft das Zeichen gesetzt, dass auch mit ihr in Tokio zu rechnen ist. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen große Mannschaften mitspielen und gegenhalten können.“ Und da meint Weber nicht nur Spiele gegen Ägypten oder Brasilien. Das Datum des olympischen Finals hat er sich jedenfalls notiert. Es ist der 7. August. Aber so weit denkt er nicht.

„Wir haben immer gut daran getan, wenn wir von Spiel zu Spiel denken“, erklärt er vielmehr. „Wir wollen zunächst die Gruppenphase überstehen.“ Zumindest sein Trainer hat bereits optimistisch weitergedacht – und als Ziel das Halbfinale ausgegeben. Eine Medaille, sagt Weber, das wäre großartig. Gold, das wäre ein Traum. Wie der Start bei den Spielen im Allgemeinen: „Ich habe Olympia schon als Kind im Fernsehen gesehen, war begeistert vom ganzen Flair und wollte immer selbst daran teilnehmen.“ Nun hat er es geschafft. „Und das ist was ganz Besonderes.“

Christian Prokop hieß damals der Bundestrainer, der Weber in die Nationalmannschaft holte. Am 3. Januar 2017 feierte der gebürtige Schönebecker sein Debüt gegen Rumänien. Inzwischen kommt er auf 43 Länderspiele und 112 Tore. Er ist keiner, der diese Mannschaft ergänzt. „Ich weiß, dass ich eine wichtige Rolle spiele, dieses Feedback bekomme ich vom Coach und auch von den Mitspielern. Ich spüre dieses Vertrauen – und das ist ein tolles Gefühl“, betont er. Eine Rolle, mit der er sehr gut umgehen kann. „Genau das war auch immer mein Anspruch, ich wollte nie nur ein Mitläufer sein.“

Jetzt läuft er auf bei den Sommerspielen. Zunächst gegen Spanien. Die weiteren Gegner in der Gruppenphase heißen Norwegen, Frankreich, Brasilien und Argentinien. In einem olympischen Handballturnier treffen tatsächlich immer die Besten aufeinander. Und das ist ganz nach Webers Geschmack.