Apeldoorn l 3/1000 Sekunden fehlten Pauline Grabosch bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften zur dritten Medaille. Zwar steigerte die Magdeburgerin ihre persönliche Bestzeit über 500 Meter auf 33,487 Sekunden, lag aber schließlich um eine Winzigkeit hinter Keirin-Olympiasiegerin Elis Ligtlee aus den Niederlanden und verpasste ihre dritte WM-Medaille in Apeldoorn. Danach brachen alle Dämme, Grabosch – 2016 schon Weltcup-Siegerin an gleicher Stelle in dieser Disziplin – saß wie ein Häufchen Elend in der deutschen Box.

„Natürlich waren es erst Tränen der Enttäuschung, die sind aber schnell in Freudentränen angesichts einer wirklich famosen WM übergegangen“, sagte Graboschs Mentor und Sportlicher Leiter im Team Erdgas.2012, Michael Hübner. Der siebenfache Weltmeister aus Chemnitz konnte gar nicht genug Lobeshymnen anstimmen. Zwar bestimmten in der absoluten Spitze ihre Teamkollegin Kristina Vogel (Erfurt) und auch eine wiedererstarkte Miriam Welte (Kaiserslautern) das Niveau, der Aufstieg von Grabosch war aber schon kometenhaft.

Mehr als Ersatz im Teamsprint

Zum Auftakt der WM raste Grabosch an der Seite von Vogel und Welte zur Goldmedaille, die sie übrigens erst in den nächsten Tagen per Post nachgestellt bekommt. Offiziell als Ersatz geführt, war sie mehr als das und zeigte wie schon während der Weltcup-Saison als Anfahrerin auch auf Position zwei eine starke Leistung und Top-Zeit.  Trotz Abitur-Stress - bereits am nächsten Freitag stehen am Sportgymnasium in Erfurt die nächsten Prüfungen an – präsentierte sich die aus Bottmersdorf stammende Sportlerin top vorbereitet. 

Im Sprint bot Grabosch Vorzeige-Sprinterin Kristina Vogel die Stirn, war in der Quali sogar schneller, unterlag aber im Halbfinale mit 0:2. Im kleinen Finale schlug Grabosch die Vorjahresdritte Wai Sze-Lee aus Hongkong mit 2:0 Läufen und sicherte sich Platz drei. „Ich hätte niemals damit gerechnet, habe mich von Lauf zu Lauf gesteigert. Ich bin hier über mich hinausgewachsen“, krächzte Grabosch in die Mikrofone. „Stimme habe ich nicht mehr, aber das Grinsen kriege ich so schnell nicht mehr weg“, ergänzte sie und herzte ihre Medaille, die auch mit ins Teamhotel durfte.

Lob vom Bundestrainer

Dass die WM mit Platz vier im Zeitfahren und der krankheitsbedingten Absage für das Keirin endete, war allenfalls ein kleiner Wehrmutstropfen für die vierfachen Junioren-Weltmeisterin. „Pauline hat schon aus Junioren-Zeiten ein starkes Grundniveau mitgebracht und das weiter ausgebaut. Technisch-taktisch wird sie aber noch etwas Zeit brauchen, um auf dem Level von Kristina Vogel zu fahren“, ordnete Bundestrainer Detlef Uibel die Sprint-Bronzemedaille ein. Das Lob und die vielen Glückwünsche und der Besuch der Familie vor Ort halfen dann aber Pauline Grabosch schnell, ihre Tränen zu trocknen und das ansteckende Lachen zurück zu gewinnen. WM-Gold und -Bronze im zweiten Elite-Jahr sind allemal ein Grund.

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