Magdeburg l Die WM-tauglichen Radrennbahnen dieser Welt sind in einem alle gleich: 250 Meter lang. Und es geht immer linksrum. Trotzdem gibt es in den Bahn-Geometrien doch gewaltige Unterschiede: Die Geraden sind mal etwas länger oder kürzer, die Kurven unterschiedlich ausgeprägt. Die 250-Meter-Piste im Palais Omnisport von Apeldoorn gilt als ein Rennbahn, die den deutschen Sprintern mit dem wenig ausgeprägten Schwunghügel eher etwas weniger liegt. Dazu kommt: die wenigsten Sprinterinnen und Sprinter sind hier schon gefahren, seitdem 2016 eine neue Fahrbahn verlegt wurde.

Pauline Grabosch feierte im Dezember 2016 auf dem nagelneuen Belag von Apeldoorn über 500 Meter den ersten Weltcup-Sieg ihrer Karriere, kennt also als eine von ganz wenigen die Tücken. „Das ist natürlich kein Nachteil, zu wissen, dass ich hier schon schnell gefahren bin. Das ist gut für den Kopf“, sagt die 20-Jährige. In der Weltcup-Saison 2017/18 gelangen der Magdeburgerin nun die Weltcup-Siege zwei, drei und vier (zweimal Teamsprint, Sprint) – entsprechend sind die Erwartungen und Hoffnungen gestiegen.

Wechsel in die Elite

Die Sprinterin, die in Bottmersdorf in der Börde aufwuchs, hat den Wechsel von den Junioren zur Elite erstaunlich gut gemeistert. Nach vier WM-Titeln in der Nachwuchsklasse fuhrt Grabosch bei ihrer WM-Premiere 2017 in Hongkong im Zeitfahren auf Platz sechs. Es folgten der U-23-EM-Titel im Sprint, zweimal Silber bei der EM im Oktober in Berlin – und dann diese fast schon phänomenale Weltcup-Saison.

Die Erfolge der Schülerin sind umso bemerkenswerter, da sie gerade am Sportgymnasium Erfurt mitten im Abitur steckt. Vorigen Dienstag stand die erste Abitur-Vorprüfung in Sporttheorie auf dem Plan – direkt nach der Rückkehr geht es mit dem Abi weiter. „Es ist gerade recht heftig vom Zeitmanagement her. Trotzdem kann ich guten Gewissens die WM angehen“, erklärt Grabosch.

Mental-Coach mit im Team

In Apeldoorn ist Grabosch Vielstarterin: Zeitfahren, Sprint, Keirin. Und erstmals im Teamsprint. „Wir werden mit drei Frauen den Wettbewerb fahren – in welcher Reihenfolge, lassen wir uns offen“, kündigte Bundestrainer Detlef Uibel bereits an. Heißt: Grabosch kämpft an der Seite der Olympiasiegerinnen Miriam Welte (Kaiserslautern) und Kristina Vogel (Erfurt) um eine Medaille. Die Kombination zählt auch in Apeldoorn wieder zu den Anwärterinnen für das Podium, bei der EM gab‘s Silber. „Klar, eine Medaille wäre schön und ist das Ziel. Die Mädels sind gut drauf – und ich auch“, sagt Grabosch, wie Welte Anfahrerin.

Trotz ihrer jungen Jahre arbeitet Grabosch schon sehr professionell: Sie startet für das beste private Bahn-Team der Welt, das Chemnitzer Team Erdgas.2012, hat dort mit dem siebenfachen Weltmeister Michael Hübner einen Mentor. Seit gut einem Jahr hat sie mit dem ehemaligen Tagesschau-Sprecher Marc Bator einen Berater. Und Grabosch arbeitet seit 2016 auch mit dem Berliner Hypnosetherapeuten Nikolai Hanf-Dressler eng zusammen, der psychologische Hilfe leistet.

Selbsthypnose als Hilfestellung

„Man braucht nicht nur einen Mental-Trainer, wenn man Probleme hat. Für mich gehört diese Hilfe genauso dazu wie beispielsweise Ernährungsberatung – es ist schade, dass dieses Thema so tabuisiert wird“, erklärt Grabosch. „Er gehört inzwischen zu meinem sportlichen Alltag. Wir stehen in engem Kontakt, tauschen uns regelmäßig aus.“ Zusammen mit Mental-Coach Hanf-Dressler hat sie Routinen entwickelt, darunter auch die Selbsthypnose, um entspannter in die Wettkämpfe zu gehen – vielleicht hilft das ja vor den WM-Finals im Teamsprint in Apeldoorn.

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