Magdeburg/Paris l Nach 3539  Kilometern und 21 Etappen mobilisierte Robert Wagner auf dem letzten Kilometer der 104. Tour de France nochmals alle Kräfte, führte kurzzeitig sogar das Feld mit den Sprintern mit über 60 Kilometer pro Stunde an und lieferte Teamkollege Dylan Groenewegen vor der letzten Kurve an zweiter Position ab. Der 24-Jährige aus dem Team Lotto-Jumbo veredelte Wagners Vorarbeit auf dem Champs Elysées in Paris und bescherte den Niederländern den so sehnlichst erwarteten Etappensieg. Mit einem breiten Grinsen und geballter Siegerfaust rollte Wagner ins Ziel, wurde dort von Freundin Katrin, Onkel Michael Kieren oder Ex-Profi Henning Bommel aus Berlin empfangen – und Weißwein und Champagner sorgten für gelöste Stimmung.

„Ich habe den Sprint auf einer Leinwand gesehen, wollte es erst gar nicht glauben, weil ich etwas zu früh aus dem Wind gegangen war“, beschrieb Wagner die letzten Sekunden seiner Tour. Letztlich lag Wagners Zimmerkollege deutlich vor den favorisierten Greipel & Co. „Manchmal werden Träume wahr. Bei uns ist danach fast kein Auge trocken geblieben – auch bei mir nicht“, sagte Wagner, ehe Lotto-NL-Jumbo zur Abschlussfeier in die niederländische Botschaft von Paris bat – und die Party dort „komplett zu eskalieren“ drohte, wie Wagner berichtete.

Das Finale der Tour war für Wagner, die er letztlich auf Platz 164 im Gesamtklassement beendete, der Höhepunkt einer an emotionalen Momenten reichen Frankreich-Rundfahrt. Nach dem spektakulären Auftakt mit Familie und Freunden in Düsseldorf führte die erste Etappe direkt an seiner Wohnung in Kelmis vorbei. Selbst in den Alpen auf der Königsetappe fanden Magdeburger Fans den Weg nach Frankreich, verzierten die Straße mit „Wagi“-Schriftzügen. „Das Finale in Paris hat aber definitiv alles getoppt“, sagte ein erschöpfer, aber glücklicher Wagner.

Am Montag reiste Wagner per Auto von Paris nach Kelmis. Schon am Mittwoch heißt es wieder Koffer packen. Bei den Nach-Tour-Kriterien in Neuss (Mittwoch), Krefeld (Freitag) und Gera (Sonnabend) steht er am Start. „Ich fühle mich echt gut, bin gesund, sogar meine Sitzbeschwerden sind verschwunden“, so Wagner. Die Tour 2018 ist für den 34-Jährigen, der bis Ende 2018 bei Lotto-NL-Jumbo unter Vertrag steht, aber vorerst kein Thema: „Damit möchte ich mich nicht beschäftigen. Wir haben den wichtigsten Sprint des Jahres gewonnen. Ich weiß nicht, ob es noch schöner werden kann.“